Alessandro Cagliostro (Biographie I)

Cagliostro, Alessandro (Alexander Conte di Cagliostro / geb. Giuseppe Balsamo) (1743-1795)  

Italienischer Abenteurer, Prophet, Wunderheiler, Arzt, Alchimist, Philosoph und Kabbalist, am 2.6.1743 im Armenviertel von Palermo als Giuseppe Balsamo geboren, gestorben am 26.8.1795 im päpstlichen Gefängnis San Leone bei Urbino.

Cagliostro, der sich erst ab 1776 mit diesem Namen bezeichnete, faszinierte während seiner Schulzeit am Collegio di San Rocco  in erster Linie der Umgang mit allem, was mit Chemie zusammenhing. Nachdem er mehrfach versucht hatte, aus dem Collegio auszureißen, vertrauten ihn seine Verwandten dem Kloster der Fatebenefratelli in Caltagirone an, wo er, entsprechend seinen Neigungen, in der Apotheke mithalf. Aufgrund wiederholter Schwierigkeiten mit der klösterlichen Disziplin kehrte er, wohl 1758, nach Palermo zurück. 

In den folgenden Jahren wusste er sich durch kleine Betrügereien einen Lebensunterhalt zu verschaffen. Seine ersten Reisen führten ihn nach Messina und in den östlichen Mittelmeerraum, angeblich bis nach Ägypten. Anfang 1768 verschlug es ihn nach Rom, wo er schon bald nach seiner Ankunft Lorenza Feliciani heiratete, seine »Komplizin« in fast allen späteren Unternehmungen. 

Nach weiteren Aufenthalten in verschiedenen Städten Italiens, Europas sowie Ägypten und Kleinasien, in welchen er vor allem medizinische und chemische Kenntnisse erwarb, die meist durch eine überstürzte Abreise endeten, weil die örtlichen Behörden ihm und seiner Frau auf den Fersen waren, oder weil sich anderswo günstigere Lebensumstände zu bieten schienen, kamen die beiden 1776 nach London. Dort wurde ihm schnell der Ruf eines außerordentlichen Wunderheilers und Wahrsagers zuteil. Zu seinen Spezialitäten zählte die Voraussage von Lotterienummern und der Verkauf seines »Lebenselixiers«, mit dem er zu großem Reichtum gelangte. In diese Jahre fällt sein Aufstieg vom kleinen Betrüger zur messianischen Gestalt für weite Kreise der besseren Gesellschaft Europas. 

Um diesen Qualitätssprung zu unterstützen, trat er 1777 einer Freimaurerloge bei und legte sich eine andere, eine adelige Identität zu: aus Giuseppe Balsamo wurde Alessandro Conte di Cagliostro – er würde künftig leugnen, auch nur das Geringste mit Balsamo zu tun zu haben -, und Lorenza kannte man von nun an als Serafina Contessa di Cagliostro. 

cagliostro

Mit immer größerem Erfolg führte er seine spiritistischen Sitzungen und alchimistischen Experimente an verschiedenen Orten in den Niederlanden und in Deutschland durch und stilisierte sich dabei unter der Bezeichnung »Groß-Kophta« zunehmend als Anführer einer freimaurerischen Richtung nach einem von ihm selbst entwickelten »ägyptischen Ritus«. Er gründete in etlichen Ländern freimaurerische Logen, die nach seinem ägyptischen Ritus arbeiteten. Seine Logen waren von großer Beliebtheit, aufgrund seines phantastischen Rituals, dass eine starke Faszination auf die Zeitgenossen ausgeübt haben muss (Gegenpol zu der Sachlichkeit der »Aufklärung«). Die Grundlage dafür soll nach Cagliostros eigenen Angaben eine Handschrift gewesen sein, die er in London erhalten haben will und Anklänge an den okkultistischen Ritus des französischen Quabbalisten Martines de Pasqually (gest. 1774; »Elus Coëns«) aufweist.

Erwähnenswert ist sein Aufenthalt im kurländischen Mitau (1779), wo er binnen weniger Monate eine derart große Faszination auf die Hofgesellschaft ausübte, dass ihm, wie es heißt, vermittels einer Palastrevolution die Regierungsgewalt in diesem Herzogtum angetragen werden sollte. Seine nächste Station war St. Petersburg, wo er besonders durch Wunderheilungen auffiel. Nach Schwierigkeiten mit den Behörden wurde er 1780 des Landes verwiesen und kam nach einem Zwischenaufenthalt in Warschau nach Straßburg. Dort lernte er drei seiner treuesten Anhänger kennen, Kardinal Rohan, Johann Kaspar Lavater und den Basler Bankier und Kaufmann Jacob Sarasin. Nach etlichen weiteren Etappen ließ er sich 1785 in Paris nieder, wo er – gleichsam als Nachfolger des im Jahre zuvor abgereisten Wunderheilers Mesmer – mit offenen Armen empfangen wurde. Sein »ägyptischer Ritus« feierte dort außerordentliche Erfolge.  und den Basler Bankier und Kaufmann Jacob Sarasin. Nach etlichen weiteren Etappen ließ er sich 1785 in Paris nieder, wo er – gleichsam als Nachfolger des im Jahre zuvor abgereisten Wunderheilers Mesmer – mit offenen Armen empfangen wurde. Sein »ägyptischer Ritus« feierte dort außerordentliche Erfolge. 

Im selben Jahr wurde er in die sogenannte »Halsbandaffäre« verwickelt: die Hauptverantwortliche, Jeanne de la Motte-Valois, spiegelte Kardinal Rohan vor, er könne sich Hoffnungen auf die Gunst der Königin Marie Antoinette machen, und bot sich als Vermittlerin an. In diesem Zusammenhang gelang es ihr, ein kostbares Halsband, das der Kardinal Marie Antoinette zugedacht hatte, an sich zu bringen und auf eigene Rechnung zu verkaufen. Cagliostro, der mit der Angelegenheit deswegen in Verbindung gebracht wurde, weil sein großer Einfluss auf Kardinal Rohan bekannt war, wurde verhaftet und zusammen mit Lorenza-Serafina in der Bastille gefangengehalten. Sein Prozess endete 1786 zwar mit einem Freispruch, doch musste er auf Anordnung des Königs Frankreich verlassen und floh nach London, während sich in Paris der Journalist Théveneau de Morande daran machte, die »wahre Identität« Cagliostros öffentlich zu enthüllen und so dessen bereits angeschlagenen Ruf endgültig zerstörte. 

Dank der Unterstützung Sarasins konnte er sich während der Jahre 1787 und 1788 in relativer Ruhe in Basel und Biel aufhalten. Im Herbst des Jahres 1788 gewann er in Trient das Vertrauen des Fürstbischofs Thun, indem er vorgab, in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückkehren zu wollen, und begab sich, ausgestattet mit Empfehlungsschreiben des Bischofs, 1789 nach Rom. Dort versuchte er, eine Freimaurerloge nach seinem ägyptischen Ritus zu gründen. Seine Verbindungen zu Zirkeln wie den Illuminaten, Philalethen, Swedenborgianern usw. konnten ihm jedoch keine neue Operationsbasis verschaffen. Von den Autoritäten des Kirchenstaates, welche die Freimaurer erbittert verfolgten, wurde er daraufhin verhaftet und wegen Häresie und anderer Delikte vor Gericht gestellt. Sein Prozess wegen Häresie, Zauberei und Freimaurerei (unter Berufung auf die Bullen von Clemens XII. und Benedikt XIV.) zog sich bis ins Jahr 1791 hin und endete mit einem Todesurteil, das der Papst in lebenslängliche Kerkerhaft umwandelte. In seinem Gefängnis, der Festung von San Leo, starb Cagliostro am 26. August 1795 zu Tode gefoltert und erdrosselt, ein Jahr bevor die französischen Revolutionsheere in Rom einmarschierten .  Von den Autoritäten des Kirchenstaates, welche die Freimaurer erbittert verfolgten, wurde er daraufhin verhaftet und wegen Häresie und anderer Delikte vor Gericht gestellt. Sein Prozess wegen Häresie, Zauberei und Freimaurerei (unter Berufung auf die Bullen von Clemens XII. und Benedikt XIV.) zog sich bis ins Jahr 1791 hin und endete mit einem Todesurteil, das der Papst in lebenslängliche Kerkerhaft umwandelte. In seinem Gefängnis, der Festung von San Leo, starb Cagliostro am 26. August 1795 zu Tode gefoltert und erdrosselt, ein Jahr bevor die französischen Revolutionsheere in Rom einmarschierten . 

Cagliostro polarisierte die Gesellschaft des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts in einem Maße, dass es große Schwierigkeiten bereitet, ein objektives Bild seines Lebens und seiner Taten zu zeichnen. Zeitgenössische Aufzeichnungen über ihn stammen entweder von glühenden Anhängern oder erbitterten Gegnern. Überdies zerfällt das Lager seiner Feinde in zwei diametral entgegengesetzte Gruppen: während die katholische Kirche in ihm vor allem den Freimaurer und Freigeist sah und ihn somit in Verbindung mit den Aufklärern brachte, unterstrichen letztere die Parallelen zwischen seinen esoterischen Tendenzen und den vermeintlichen geheimen Umtrieben katholischer »Geheimgesellschaften« wie des Jesuitenordens. Cagliostro gehört somit der diffusen Gruppe der Schwärmer an, ein Begriff, mit dem im achtzehnten Jahrhundert Aufklärer und Vertreter der kirchlichen Orthodoxien ihre jeweiligen Gegner zu bezeichnen pflegten, um selbst ein klareres Profil gewinnen zu können. 

Beinahe wichtiger als die authentischen Begebenheiten erscheinen im Falle Cagliostro demnach die Konnotationen, die von den Zeitgenossen mit ihm verbunden wurden.

Im deutschen Kulturraum stellt Goethes langjährige geistige Auseinandersetzung mit dem Sizilianer das bekannteste Beispiel für dieses Phänomen dar. Goethe war auf Cagliostro spätestens seit dessen Aufenthalt in Mitau aufmerksam geworden. Im Verlauf des Briefwechsels mit Lavater, der von den gleichsam messianischen Fähigkeiten Cagliostros rückhaltlos überzeugt war, warnte Goethe am 22. Juni 1781 von dessen Wundertätigkeit: »Glaube mir, unsere moralische und politische Welt ist mit unterirdischen Gängen, Kellern und Kloaken miniret, wie eine große Stadt zu sein pflegt, an deren Zusammenhang, und ihrer Bewohnenden Verhältnisse wohl niemand denkt und sinnt; nur wird es dem, der davon einige Kundschaft hat, viel begreiflicher, wenn da einmal der Erdboden einstürzt, dort einmal ein Rauch aus einer Schlucht aufsteigt, und hier wunderbare Stimmen gehört werden.«

Für Goethe stellte Cagliostro also geradezu das Symbol für Verfall und bevorstehenden Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung Europas in der Zeit vor der Französischen Revolution dar. Während seines Aufenthalts in Palermo stattete er Cagliostros Familie einen Besuch ab und veröffentlichte, nach Weimar zurückgekehrt, die auf einem Vortrag beruhende Schrift »Des Joseph Balsamo, genannt Cagliostro, Stammbaum. Mit einigen Nachrichten von seiner in Palermo noch lebenden Familie« (1792). Aus der Beschäftigung mit der Halsbandaffäre entstand das zunächst als Oper geplante Schauspiel »Der Groß-Kophta« (1792). »Dichtung und Wahrheit« sowie die »Italienische Reise« enthalten ebenfalls Passagen über Cagliostro.

Auch Schiller ließ sich von der Gestalt Cagliostros zu schriftstellerischer Produktion anregen. Neben dem 1781 veröffentlichten kurzen Text »Calliostro – viel Lärm um nichts« ist hier in erster Linie das ab 1787 zunächst als Fortsetzungsroman erschienene Fragment »Der Geisterseher« zu nennen.

editiert von »Signum«


Quellen:

Langlois: »Schreiben über den Herrn Grafen von Cagliostro« (geschrieben zu Straßburg, den 31. Mai 1781),

»Der entlarvte Charlatan, oder Abenteuer und Taten des Grafen von Cagliostro«, mit einem Briefe des Grafen von Mirabeau‘ (Frankfurt am Main; Lübeck 1787),

[Anonym], »Confessions du Comte de Cagliostro avec l’histoire de ses voyages en Russie, Turquie, Italie et dans les Pyramides d‘ Egypte« (Paris 1787),

T. Kellen: »Der Wunderdoktor –  Aus dem Leben eines Abenteurers«, Berlin; Eisenach; Leipzig (1902),

Michael Kusmin: »Das wunderliche Leben des Joseph Balsamo Grafen Cagliostro«, (dt. 1919),

Johannes von Guenther:: »Der Erzzauberer Cagliostro« (München, 1919),

W. Schäfer: »Die Halsbandgeschichte« (1920),

»Rituel de la Maconnerie Egyptienne« ( Nizza 1947),

Rudolf Harms: »Cagliostro – Lebensroman eines genialen Schwindlers« (Berlin, 1962).

Impressum