Eliphas Lévi Zahed

Alphonse Luis Constant (Eliphas Lévi Zahed)  (1810-1875)  

Die vorliegende Arbeit stellt den Versuch dar, verschiedene dem Autor zugängliche Quellen über das Leben des berühmtesten französischen Okkultisten, Eliphas Lévi Zahed, zu einem einzigen chronologisch gegliederten Text zu bündeln. Die vornehmlichen Quellen, die dabei zu Rate gezogen wurden, sind zum einen die Fakten aus der Lévi-Biographie Franz Werfels im Anhang des „Schlüssel zu den großen Mysterien“ in der Ausgabe des Wilhelm Barth Verlags von 1966. Zum anderen sind es eine Vielzahl von Internetseiten, die zusätzliche, teilweise abweichende Darstellungen des Leben des okkulten Gelehrten gaben. Die wichtigste Quelle, neben der Arbeit Werfels, bildete hierbei eine ausführliche Online-Biographie in französischer Sprache, die unter folgender URL zu finden war:


www.members.aol.com/eschmannm/Biographies/Levi.htm


Da der Autor des Textes nichts erwähnt wird, wird diese Quelle im folgenden mit »Eschmann« bezeichnet, wobei auf Seitenangaben aufgrund der HTML-Struktur des Textes verzichtet werden muss. Um die Übersicht zu erleichtern wird ebenso stets nur eine Quelle genannt, wenn deren Inhalte mit den Aussagen anderer deckungsgleich ist.  

 

Wie der Titel »Materialien zu einer Biographie« verrät, stellt diese Arbeit keineswegs eine abgeschlossene Untersuchung dar. Sie soll vielmehr als Sammlung vorhandener Fakten und Daten zum Leben Eliphas Lévis dienen. Die Echtheit wie auch die allgemeine Zuverlässigkeit der wiedergegebenen Inhalte konnte im Rahmen dieses Projekts nicht überprüft werden. Der Nutzen der vorliegenden Sammlung soll vielmehr in einer Komprimierung und Bündelung der zugänglichen Fakten dienen, auf welcher spätere, tiefergehende Studien aufbauen können.

Alphonse-Luis Constant wird am 8. Februar1810[i] in der Rue Fossés-Saint-Germain-des-Près (heute die Straße der Alten Komödie) in Paris geboren. Sein Vater ist ein einfacher Schuhmacher, seine Mutter eine äußerst fromme Katholikin. Alphonse-Luis ist ein kränkelndes, stilles Kind.[ii] Er selbst berichtet über diese Zeit: »Ich nahm niemals an den Spielen der anderen Kinder teil […] ich stand immer abseits, und gab mich verschwommenen Meditationen hin, oder ich versuchte zu zeichnen […] Das Bedürfnis, intensiv zu lieben, quälte mich bereits damals.«[iii]

Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage seines Elternhauses sowie seiner frühreifen Neigung zur Religion wird er im Katechismusunterricht für eine höhere Bildung ausgewählt und darf die katholische Schule St.-Louisen-Isle für Kinder armer Eltern besuchen, deren Gründer der Abt J.-B. Hubault Malmaison ist.[iv]

In St.-Louisen-Isle zeigt sich sein Hang zur Religion sowie sein außergewöhnlicher Wissensdurst in ganzer Vielfalt. Mit zwölf Jahren erhält Alphonse-Luis zum ersten Mal die heilige Kommunion.[v] Sein eigenen Darstellung dieser Zeit und seines Verhältnis zur Kirche geben einen Eindruck von seinem romantisierenden Charakter, den er Zeit seines Lebens bewahren und der auch gesamtes Werk prägen wird: »[…] mein Herz neigte sich leidenschaftlich einem Gott zu, der sich selbst für seine „Kinder“ geopfert hatte. … Die Figur des zum Opfer dargebrachten Lammes ließ mich Tränen vergießen, und schon die bloße Erwähnung des Namens der heiligen Maria ließ mein Herz höher schlagen.«[vi]

Es ist hingegen nicht sein Glaube, sondern seine frühreife Interessiertheit, die ihn schnell zum Liebling der Lehrer und Klassenbesten avancieren lässt.[vii] Jahre später ist es diese Stellung, der er es verdankte, dass er abermals eine Sonderstellung unter seinen Mitschüler einnimmt. Es ist der zukünftige Abt, den seine Lehrer in ihm sehen.

Durch die Entscheidung der Würdenträgen, ihn als Priesteranwärter in ein katholisches Seminar zu schicken, erhält Alphonse-Luis die einmalige Gelegenheit, der Armut zu entkommen. Während die Sicherheit seines zukünftigen Lebens den Eltern eine ungeheure Last von den Schultern nimmt, liegt die Ansicht Alphonse-Luis weit davon entfernt. Er, der den Standpunkt der Eltern verurteilt, richtet zu diesem Zeitpunkt seine ganze Liebe auf die katholische Kirche und ihre Mysterien, in denen er von nun an ein zu Hause zu finden hofft.[viii]

1825 tritt Alphonse-Luis in das Seminar der Kirche von St. Nicolas du Chardonnet ein. Im Rahmen des religiösen Unterrichts, den das Seminar seinen Schülern bietet, erlernt er die Hebräische Sprache.[ix] Außerdem macht der Junge eine Begegnung, die sein gesamtes Leben prägen soll.

Die Leitung des Seminars von St. Nicolas du Chardonnet hat zu dieser Zeit der Abt Frère-Colonna ein, der sich durch seine häretischen Studien des Mesmerismus einen aus kirchlicher Sicht fragwürdigen Ruf erworben hat. Seiner Meinung nach basieren die Phänomene des Magnetismus auf einer Einwirkung des Teufels. Eben dieser Abt ist es, der den jungen Alphonse-Luis in die Gedankenwelt einführt, die ihm selbst zum Verhängnis – seinem Schüler jedoch zur lebenslangen Aufgabe wird.

Einige Quellen nennen sogar konkrete Inhalte, die der Abt Alphons-Luis vermittelt haben soll. Dazu zählt zum Beispiel folgende Anschauung: Da die Menschheit durch die Erbsünde vom Schoße Gottes gefallen ist, führt kein anderer Weg dorthin zurück, als der langwierige Prozess, während dem sich die Menschheit allmählich vom Materiellen löst und zur Spiritualität zurückfindet. Frère-Colonna erklärt dem Jungen weiter, dass sich die Geschichte der Erde in vier große Epochen teilen lässt: die erste begann mit Adam, die zweite mit Abraham, die dritte mit Jesus und die vierte würde mit der Ankunft des Paraklet beginnen, dem Heiligen Geist.[x]

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Es sind diese – scheinbar ketzerischen – Ansichten, die den Abt Frère-Colonna kurz darauf sein Amt kosten.

Erstmals wird hier die Liebe und das Vertrauen des jungen Studenten in die katholische Kirche erschüttert. [xi] Zweifel ob der Frömmigkeit und der wahren Religiosität der Priester werden in ihm wach. Und obgleich Alphonse-Luis sein Leben lang den Grundaussagen des Katholizismus’ treu bleibt, verzeiht er den kirchlichen Würdenträgern doch nie die Schande, die sie über den geliebten Lehrer gebracht haben.[xii]

1830 beendet er das Studium der Rhetorik und wechselt an das Seminar von Issy; noch im selben Jahr stirbt sein Vater. Dort, im Seminar von Issy widmet sich  Alponse-Luis ganz dem Studium der Philosophie und bringt dieses 1832 zu Ende. Während dieser Jahre beginnt auch seine literarische Schaffenszeit; er beendet ein biblisches Drama namens »Nemrod« sowie eine kleine Dichtung mit dem Titel »Das Werk des kleinen Savoyarden in Bordaux«.[xiii] Nach diesen zwei Jahren der Ruhe (über die den meisten seiner Biographen nichts bekannt ist) wechselt er an das große Seminar von St. Sulpice, wo seiner Ausbildung zum Abt die schicksalhafte Wendung widerfährt.

Alphonse-Luis ist 23 Jahre alt, als er nach Wochen der Prüfung die Weihe zum Subdiakon erhält.[xiv] Hinter ihm liegen Monate eintöniger und desillusionierender Studien. Der Gott, dem er in den Lehren der Priester von St.Sulpice begegnet ist, hat nichts mit der Liebe und Nähe gemein, die er sucht. Während sein ehemaliger Mentor aus der Kirche verstoßen bleibt, heischen die Studenten von St. Sulpice nach der Anerkennung der Direktoren, die ihre Schüler unterdrücken und manipulieren.

Aufgrund seiner herausragenden Fähigkeiten wird ihm der Katechismus-Unterricht für die Mädchen in der Gemeinde St.Sulpice übertragen.[xv] Seine lebendige Tätigkeit als Lehrer macht ihn schnell unter den Schülerinnen beliebt und trägt ihm große Sympathien ein.

Da wird dem jungen Diakon eines Tages die besorgte Mutter eines armen Mädchens vorgestellt. Die Dame ist Gattin eines Schweizer Offiziers und strenge Katholikin. Bereits 1830 war sie aus Frankreich in die Schweiz ausgewandert, da ihr die religiöse Erziehung ihrer Tochter in Gefahr erschien. Doch seitdem hat sie in großem Mangel und Armut gelebt. Zurück in Frankreich nun, wendet sich Madame Allenbach mit einer Bitte an den jungen Diakon: da der Pfarrgeistliche aufgrund ihrer Armut das Kind nicht zur Kommunion vorbereiten will, soll er ihre Tochter „ganz besonders schützen und überdies unterrichten, als wäre sie die Tochter eines Fürsten.“[xvi] 

Alphonse-Luis willigt ein. Während der kommenden zwei Jahre gibt Alphonse-Luis dem jungen Mädchen, Adele Allenbach, Privatstunden.[xvii] Erstmals beginnt er in dieser Zeit die Liebe zu einem Menschen in sich zu spüren. Schließlich geht seine Liebe soweit, dass er in jugendlicher Romantik glaubt, in dem jungen Mädchen die in fleischlicher Form erschienene Jungfrau zu sehen.

Doch Alphonse-Luis erstickt seine Liebe in Kasteiungen und Entbehrungen und empfängt am 19. Dezember 1835 die zweite der höheren Weihen; nun ist er Diakon. Bereits für das darauffolgende Jahr ist seine Priesterweihe angesetzt.

Aber Alphonse-Luis Zweifel an der starren Kirche sowie seine Liebe zu Adele Allenbach nehmen täglich zu und so entscheidet er sich letztendlich zur Beichte.[xviii]

Der Direktor von St. Sulpice verweigert ihm die Weihe, bis er sein Herz geläutert hat. Doch dazu kommt es nicht mehr: nach fünfzehn Jahren des Studiums verlässt Alphonse-Luis das Seminar.

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WERDEJAHRE

Kaum ist er ausgetreten, verlässt ihn die junge Adele Allenbach. Für Alphonse-Luis Constant bricht eine Welt zusammen.[xix] Plötzlich sieht sich der junge Diakon, dem noch die Tonsur ins Haar geschnitten ist, der sein gesamtes Leben bisher im Schoße der Kirche verbracht hat, mit der Leere und den Notwendigkeiten des Lebens konfrontiert. Er hat keine Wohnung und keine Anstellung. Vorübergehend spielt er mit dem Gedanken in den Trappistenorden einzutreten. Aber die Trappistenklöster liegen nicht in Paris, und seine Freunde bringen ihn von der Idee ab.[xx] Zur gleichen Zeit, kurz nach seinem Austritt aus dem Seminar, begeht seine Mutter Selbstmord. Aus Verzweiflung über den Entschluss ihres Sohnes vergiftet sie sich mit dem Rauch des Kohlenofens.[xxi] 

Alphonse-Luis schläft als Gast bei Freunden und wandert von einem zum nächsten. Nach einiger Zeit findet er eine Anstellung als Lehrer in einem Pariser Pensionat.[xxii] Bereits ein Jahr darauf wird er wieder entlassen und steht abermals vor dem Nichts. Da begegnet er durch Zufall einem Jugendfreund. Dieser gehört mittlerweile zu einer Gruppe fahrender Komödianten und lädt Alphonse-Luis ein, mit ihm zukommen. In seiner Not, ohne etwas verlieren zu können, entschließt er sich, das Angebot anzunehmen.[xxiii]

1838 kehrt er nach Paris zurück und entwickelt sich trotz seiner begrenzten finanziellen Verhältnisse zum Mittelpunkt eines größer werdenden Freundeskreises. Bald lernt die zweite Frau kennen, die einen starken Einfluss auf sein Leben ausübt. Es ist die geschiedene Sozialistin und die spätere Großmutter Paul Gaugins, Flora Tristan.[xxiv]

Das Verhältnis der beiden ist eng und freundschaftlich. Während Alphonse-Luis Flora literarische Anregungen gibt, bringt sie ihm die kommunistischen Ideen nahe, denen sie sich – ebenso wie dem Kampf für die Rechte der Frauen – verpflichtet fühlt.[xxv] Ihre Beziehung nimmt ein trauriges Ende, als Alphonse-Luis seiner Freundin rät, zu ihrem Mann zurückzukehren. Sie befolgt seinen Rat und stürzt sich und ihr Kind damit in Elend.[xxvi]

Abermals trifft Alphonse-Luis einen Jugendfreund: diesmal ist es der Schriftsteller Alphonse Esquiros. Es entwickelt sich eine enge und tiefe Freundschaft zwischen den beiden, und bald darauf geben sie gemeinsam – zusammen mit anderen Interessierten – eine eignes gegründete Zeitschrift heraus: „Die schönen Frauen von Paris und der Provinz, von literarischen Leuten von Welt herausgegeben“.[xxvii] Während Esquiros und andere die Texte verfassen, zieht Alphonse-Luis durch die Pariser Salons und portraitiert Frauen. Bei einer solchen Gelegenheit – im Salon der Dame de Girardin[xxviii] – trifft er auch Honoré de Balzac, dessen Schaffen und Genie er in seinen späteren Werken so lobt.[xxix]

Eines Tages plötzlich verlässt Alphonse-Luis Paris. Entschlossen, den Weg zum Priesteramt zu Ende zu gehen und dort den Rest seiner Tage zu verbringen, tritt er in das Seminar der Benediktinerabtei von Solêsmes ein.[xxx] Alphonse-Luis findet dort eine Bibliothek mit circa 20000 Bänden vor, aus der er in den kommenden Monaten reichlich Wissen schöpft.[xxxi] Er studiert den Gnostizismus, die Schriften der frühen Kirchenväter, George Sand und die damals noch unbekannten Werke der Madame Guyon. Während dieser Monate legt er den Grundstein für sein magisches Wissen. Außerdem vollendet er seine erste religiöse literarische Arbeit: »Der Rosenstrauch des Maimonats«. [xxxii]

Doch auch das Leben in der Abtei sagt ihm nicht zu; es erscheint ihm wie ein Gefängnis. Nach einer Unstimmigkeit mit dem Abt von Solêsmes, Vater Abbot, verlässt er die Abtei bereits ein Jahr nach seinem Eintritt.[xxxiii] Zwar um einen Schatz an Wissen bereichert, jedoch ohne einen Sous in der Tasche steht Alphonse-Luis vor den Toren. Er ist nun einunddreißig Jahre alt und besitzt weder ein Erbe, auf das er zurückgreifen könnte, noch irgendein Einkommen.

Die Zeitschrift Esquiros und seiner Freunde ist mittlerweile eingestellt. Zur übrigen Presse hat Alphonse-Luis keine Beziehungen. Er beginnt zu hungern, verpfändet seinen geringen Besitz bis auf sein Hemd und lebte in Elend. In größter Verzweiflung wendet er sich schließlich an Monsignore Affre, den Erzbischof von Paris. Und tatsächlich – nach einiger Zeit kommt der erlösende Bescheid: Alphonse-Luis erhält die Stelle eines Studienaufsehers im Kollegium von Juilly. Für Alphonse-Luis ist diese Gnade zugleich Hilfe in größter Not als auch schlimme Demütigung. Seine Vorgesetzten misshandeln ihn; und nachdem seine Schüler ob der Qualen, die ihm angetan werden rebellieren, verliert er auch diesen Poste und wird degradiert. Während all dem Leid beginnt er die Arbeit an einem seinem zweiten Buch: »Die Bibel der Freiheit«.[xxxiv]

Die Inspiration zu diesem Werk hat der junge Diakon von einem alten, exzentrischen Mann, der sich selbst für einen Propheten hält und Ganneau nennt. Die erste Begegnung mit ihm 1939, die durch Vermittlung Esquiros ermöglicht wird, legt Alphonse-Luis in einem seiner späteren Werke, der  GESCHICHTE DER MAGIE  nieder. Dort – mit dem Abstand vieler Jahre – lässt er auch die Einschätzung seiner damaligen Arbeit als einer rebellischen Jugendsünde anklingen.[xxxv]

Doch zurück in die Gegenwart. Als Alphonse-Luis am Endes der »Bibel« angelangt ist, begegnet er dem Verleger seines Freundes Esquiros und bietet ihm das Buch zur Veröffentlichung an. Der Verleger willigt ein; doch im Kollegium werden die Korrekturabzüge der Schrift entdeckt. Alphonse-Luis wird zum Vorsteher gerufen und man bittet ihn, die Veröffentlichung zu verhindern, bietet ihm letztendlich sogar Geld dafür. Alphonse-Luis aber hat seinen Entschluss getroffen.[xxxvi]

Am 13. Februar 1841 kommt es zur Veröffentlichung. Obgleich viele Exemplare gerettet werde können, ist die „Bibel der Freiheit“ schon wenige Stunden darauf beschlagnahmt. In den ersten Tagen des Aprils wird Alphonse-Luis festgenommen und in dem großen Pariser Gefängnis Sainte-Pélagie inhaftiert.[xxxvii]

Erst am 11. Mai findet der Gerichtsprozess statt. Da Alphonse-Luis nicht bereuen will, glaubt man, an ihm ein Exempel statuieren zu müssen. Er wird zu acht Monaten Gefängnishaft sowie einer Geldstrafe von 300 Francs verurteilt.[xxxviii] Gleichzeitig wendet sich die kommunistische Partei von ihm ab, die ihn zum Phantasten erklärt – in seinem Werk legt er ein Glaubensbekenntnis an Gott ab – und in Bezug auf seine Veröffentlichung erwidert, dass »doch nur die Natur und Materie existierten«[xxxix]. Obgleich der öffentliche Streit, der um ihn entbrennt, Alphonse-Luis tief verletzt, trifft ihn doch nichts so hart, wie die Tatsache, dass sein Werk in Rom auf den Index gesetzt wird.[xl]

Im Gefängnis trifft Alphonse-Luis seinen Freund Esquiros und den Abt von Lamennais wieder. Trotzdem stehen die Zeichen für ihn schlecht: seine Briefe werden abgefangen und verfälscht und die übrigen Gefangenen werden gegen ihn aufgebracht, indem man das Gerücht verbreitet, er arbeite mit der Polizei zusammen.[xli] Einziger Lichtblick in dieser Zeit sind die Bemühungen seiner Freundin Flora Tristan. Sie vermittelt ihm die Bekanntschaft mit einer wohlhabenden Dame namens Legrand, durch die es möglich ist, zusätzliche Lebensmittel ins Gefängnis zu schmuggeln.

Im April 1842 verlässt Alphonse-Luis das Gefängnis; wieder ist sein einziger Besitz sein Wissen. In der Bibliothek von Sainte-Pélagie ist er auf die Schriften Emmanuel Swedenborgs gestoßen und arbeitete sich über Monate in sie ein. Allerdings fällt ihm der Zugang schwer, denn wir er selbst betont, ging er zu dieser Zeit noch auf den Wegen eines verworrenen, fatalistischen Pantheismus.[xlii]

Allerdings hat Alphonse-Luis diesmal Aussicht auf Arbeit. Über den Gefängnispfarrer hat er den Auftrag erhalten, in einen Ort unweit von Paris, Choisy le Roi, zu fahren und die Landkirche mit Malerein auszukleiden.[xliii]

In Choisy le Roi verlebt er eine kurze Zeit der Ruhe. Alphonse-Luis bewohnt das Pfarrhaus und beginnt in seiner freien Zeit mit der Arbeit an einem dritten Buch: GOTTESMUTTER. Er vergisst das Unrecht, das ihm angetan wurde, und findet während seiner Arbeiten in den Schoß der Kirche zurück.

Bald vertritt er den Ortsgeistlichen und übernimmt die Religionsstunden im nahen Mädchenpensionat. Auch schließt er Freundschaft mit der Unterlehrerin des Pensionats, Eugéenie Chenevier.[xliv] Auf Drängen seiner geistlichen Freunde hin entschließt Alphonse-Luis sich letztendlich, wieder in die Kirche zurückzukehren. Obgleich sein Verhalten vorbildlich ist, weist die Diözese von Paris aber seinen Antrag ab. Auf Vermittlung des Erzbischofs, der ihm schon einmal in der Not geholfen hatte, erreicht sein Gesuch den Bischof von Evreux.

Dort findet er Aufnahme; doch der Bischoff stellt eine Bedingung. Um die Verbindungen zur  BIBEL DER FREIHEIT  zu verschleiern und somit einen Skandal zu verhindern, muss er seinen Namen ändern. Alphonse-Luis willigt ein und nimmt den Namen seiner Mutter an. Als Alphonse Luis Beaucort reist er im Februar 1843 nach Evreux.[xlv]

In Evreux erregen seine eindringlichen und charismatischen Predigten schnell Aufsehen. Alphonse Luis wird bekannt und bald schreiben die Zeitungen über ihn. 

Sein Erfolg bringt Missgunst und Eifersucht unter die Priestern der Diözese. Und so dauert es nicht lang bis eine Zeitung des Rätsel seiner Herkunft lüftet. Ein Notiz über den Tod des Abbé Constant erscheint und kurz darauf folgt am 22. Juli 1843 in »L’Echo« ein Artikel mit dem Titel »Der neue Lazarus«[xlvi]. So wird sein Prozess zum Gespräch der Öffentlichkeit und trotz eines kompletten Widerrufs seiner  BIBEL DER FREIHEIT  ist er für die Diözese nicht mehr zu halten. Nach dem Erscheinen seines dritten Buches  GOTTESMUTTER  im darauffolgenden Jahr 1844 ist an ein Bleiben nicht mehr zu denken. Er bricht die Arbeiten an einer zweiten Kapelle ab, die er auf Geheiß des Bischoffs begonnen hat, und macht sich auf den Weg nach Paris.[xlvii]

In die Hauptstadt zurückgekehrt trifft er Flora Tristan wieder, die bald darauf in Lyon stirbt.[xlviii] Bei diesem Treffen übergibt ihm die Gönnerin ein von ihr verfasstes Manuskript zur Bearbeitung und Herausgabe. Aus Angst seinen Ruf vollends zu verlieren, zögert Alphonse-Luis, sich an dieses Projekt zu wagen. Schließlich fügt er nur einige eigene Betrachtungen an und veröffentlicht den Text, wie er ihn von Flora erhalten hat.[xlix]

Gleich nach seiner Rückkehr aus Evreux nimmt er auch sein Studium aus dem Seminar von Solêsmes wieder auf. In verschiedenen Bibliotheken studiert er nun die großen Mystiker des Mittelalters: Postel, Raimundus Lullus, Agrippa von Nettesheim und Paracelsus. Viele seiner romantischen Vorstellungen und schwärmerischen Träumerein muss er während dieser Zeit aufgeben.[l] Im Gegenzug dazu erhält er das geistige Fundament, auf dem er seine großen Werke aufbauen wird.

Im Herbst 1844 schickt die Dame Legrand nach ihm. Hatte sie ihn während seiner Gefangenschaft mit Lebensmitteln versorgt, so wünschte sie sich nun, dass er die Erziehung ihrer Kinder vollende.[li] Alphonse-Luis reist ohne Talar zu ihr und bleibt ein Jahr in ihrem Haus in Guitrancourt. In diesem Monaten verfasst er ein weiteres Werk, das kurz nach seiner Rückkehr nach Paris 1845 erscheint: Das Fronleichnamsfest oder der Triumph des religiösen Friedens.[lii]

levi.h3An das Jahr 1845 schließt sich eine bewegte Zeit. Obgleich seine umfangreicheren Veröffentlichungen alle religiösen Inhalts sind, ist der Antrieb seiner Schaffenskraft zu dieser Zeit doch sein soziales Engagement sowie sein Interesse für sozialistische Theorien und Utopien. Trotz seiner mystischen Studien glaubt Alphonse-Luis noch immer an die Erlösung des Menschen durch soziale Reformationen und Revolutionen.

Er spricht daher auf vielen sozialistischen Versammlungen, veröffentlicht Artikel und Polemiken in ihren Zeitschriften und gibt eine Streitschrift mit dem Titel »Friede! Friede!« heraus. Kurz darauf folgt wieder ein Buch religiösen Inhalts – das erste, dem man Spuren seiner mystischen Studien entnehmen kann: Das Buch der Tränen oder Christus als Tröster der Seelen, Versuch einer Versöhnung der katholischen Kirche mit den modernen Wissenschaften.[liii] Mit seinen neuen Freunden Chenau und Charles Fauvety gibt er bald eine Monatszeitschrift heraus. Sie trägt den Titel  Die Wahrheit  und erscheint ganze vier Ausgaben lang.  

Es ist nun über drei Jahre her, dass Alphonse Luis dort gewohnt hat, aber noch immer ist die einzige Beziehung zu einer Frau, die nach dem Tod von Flora Tristan in seinem Leben noch von Bedeutung ist, jene zu der Unterlehrerin, die er während seines Aufenthalts in Choisy le Roi kennen gelernt hat. 

Häufig besucht er Eugénie Chenevier von Paris aus. Die beiden verlieben sich ineinander; und auch ohne Trauung betrachtet sich Eugénie als seine Frau vor Gott. Auf die Zukunft hoffend gibt sie sich ihm hin und erwartet bald ein Kind.[liv] Am 29. September 1846 bringt sie einen Sohn zur Welt. Bis dahin hat ihr Schicksal jedoch eine grausame Wendung genommen.

Durch die Briefkorrespondenz zwischen Eugénie und Alphonse-Luis hat schon früh eine Schülerin und gute Freundin von Eugéenie von dem Mann aus Paris erfahren. Später, während seiner Besuche in Choisy le Roi lernt Alphonse-Luis das junge Mädchen selbst kennen. Ihr Name ist Noemie Cadiot. Die Tagebucheintragungen Noemis verraten, dass sie sich schnell in den Diakon aus Paris verliebt. Auch legen sie nahe, ohne dies eindeutig zu vermerken, dass ähnliches von ihm anzunehmen ist.[lv]  

Die Dreiecksbeziehung zwischen Eugénie, Noemie und Alphonse-Luis findet ein jähes Ende, als Noemie eines Tages unangemeldet in Alphonse-Luis Zimmer in Paris erscheint. Sie erklärt ihm ihre Liebe und weigert sich, in ihr Elternhaus zurückzukehren.[lvi]

levi.h4Alphonse-Luis stürzt in einen tiefen Gewissenskonflikt. Aber schwerer als sein Zweifel ob der schwangeren Eugénie wiegt die Drohung des Vaters von Noemie: er lässt ihm keine Wahl. Falls er seine Tochter nicht heiratet, würde er ihn  wegen Verführung einer Minderjährigen anzeigen. Endlich entschließt sich Alphonse-Luis zur Heirat.[lvii]

In bitterster Armut findet am 13. Juli 1846 auf dem Bürgermeisteramt des X.Bezirks von Paris die Hochzeit zwischen Alphonse-Luis Constant und Noemie Cadiot statt.[lviii]

Die Eltern Noemies verweigern ihr die Aussteuer und so ist das junge Ehepaar gezwungen im Elend unter der Ponte-Neuf zu leben.[lix] Seit dem Skandal um die »Bibel der Freiheit« lehnen die angesehenen Zeitungen Veröffentlichungen von Alphonse-Luis ab. Schließlich bleibt ihm nichts, als dem Anraten seiner Frau zu folgen, und sein Glück in der Politik zu suchen.[lx]

Die erste Frucht seiner Arbeit ist »Polens Trauer, ein flammender Aufruf zum sozialen Kampf«. Bald darauf schlägt er einen schärferen Ton an und veröffentlicht »Die Stimme des Hungers«.[lxi]

Seine Schmähschrift ist kaum erschienen, da steht Alphonse-Luis am 3. Februar 1847 ein zweites Mal unter Anklage.[lxii] Auch dieses Mal bleiben die Richter hart: sie verurteilen ihn zu einem Jahr Gefängnisstrafe sowie einer Strafe von zusätzlich 1000 Franc. Alphonse-Luis begibt sich in Haft; die junge Nomie bleibt mit der kleinen Tochter Maria mittellos und allein zurück.[lxiii]

Während ihr Mann tatenlos hinter den Mauern von Sainte-Pélagie sitzt, reicht Noemie Petition um Petition bei den Ministerien ein. Schließlich, nach Ablauf von sechs Monaten, erwirkt sie eine Begnadigung und Alphonse-Luis wird freigelassen.[lxiv]

Während der anschließenden Februarrevolution von 1848 glaubt Alphonse-Luis auch mehr Freiheit für sich und seine Bestrebungen zu erkennen. Am 16. März gründet er eine linksradikale Zeitschrift  Der Volkstribun; aber auch dieses Blatt kommt nicht über ihre vierte Nummer hinaus.[lxv] Ein weiterer Anlauf folgt.

Zusammen mit seinem alten Freund Alphonse Esquiros und LeGallois gründet er eine eigene Arbeiterpartei mit dem eigenwilligen Namen »Klub vom Berge«.[lxvi] Und tatsächlich – endlich scheint er sein Ziel zu erreichen. Die Partei gewinnt schnell an Einfluss; aber anstatt ihm selbst geht schließlich Esquiros als Abgeordneter hervor. Somit endet auch dieser Traum und zugleich die Freundschaft der beiden Männer. Noemie aber ist ebenfalls politisch aktiv geworden; sie ist Sekretärin des »Klubs vom Berge« sowie Vorstandsmitglied des Frauenklubs von Frau Niboyet[lxvii]. Außerdem entdeckt sie während dieser Zeit ihre Neigung zum Schreiben.[lxviii]   

Enttäuscht von seiner Niederlage, doch nicht entmutigt genug, um nicht ein weiteres politisches Werk zu beginnen, markiert ein plötzliches und völlig unvorhergesehenes Ereignis eine Wende in seinem Leben. Es ist der 23. Juni 1848, als ein unschuldiger Weinhändler erschossen wird. Der Grund: eine Verwechslung. Nur weil Alphonse-Luis dem Mann so ähnlich sah, entging er dem Anschlag und verlor der Fremde sein Leben. Am 24. trifft auch den Erzbischof von Paris eine Kugel, deren Leiden er drei Tage später erliegt. Alphonse-Luis veröffentlicht seine letzte sozialistische Schrift, das  Testament der Freiheit, und zieht sich aus dem politischen Leben zurück.[lxix]

Während der Jahre 1849 und 1850 lebt Alphonse-Luis zurückgezogen. In den Bric-a-Bracs[lxx] und auf den Flohmärkten von Paris kauft er alte Vasen, Möbelstücke und Bücher und richtet sie wieder her. Parallel dazu vertieft er seine nunmehr magischen Studien. Er liest die quabbalistische Schrift »Denundata« von Chr. Knorr von Rosenroth[lxxi], studiert die Schriften von Jakob Boehme, Swedenborg, Fabre d’Olivet, Chaho und Gœrres.[lxxii]  

Es ist Noemie – die zu diesem Zeitpunkt gerade erst Zwanzig- oder Einundzwanzigjährige – die für den Unterhalt der Familie sorgt. Nach ihren ersten politischen Erfahrungen hat sie begonnen Artikel in Zeitschriften zu veröffentlichen.[lxxiii] Ihre Beiträge erscheinen nicht unter ihrem Namen, Noemie Constant, sondern unter einem Pseudonym Claude Vignon, das sie einer Erzählung Balzacs entlehnt. Für das Ehepaar sind diese Jahre eine Periode verhältnismäßiger Leichtigkeit. Noemie versucht sich als Bildhauerin und nimmt Stunden bei dem bekannten Bildhauer Pradiers. Dank dieser Verbindung erhält sie zunehmend Kontakte in höhere Kreise und baut nützliche Beziehung zu einflussreichen Personen auf.[lxxiv] Alphonse-Luis erhält auf diese Weise sogar zwei Aufträge des Innenministeriums. Seine Bilder werden anschließend in den Kirchen von Cénac und Sylvanes untergebracht.[lxxv]

Ende 1850 wendet sich der Abt Migne – Gründer der kirchlichen Buchhandlung von Montrouge – an Alphonse-Luis. Zu dessen großen Glück erinnert sich der Abt an den einst hoffnungsvollen Diakon und dessen großes wissenschaftliches Talent; und so erhält Alphonse-Luis den Auftrag für ein mehrbändiges christlich-literarisches Lexikon.[lxxvi]

Schon im folgenden Jahr, 1851, erscheint das Lexikon in sieben Bänden und erstaunt durch die tiefe des enthaltenen Wissens.[lxxvii] Zugleich ist es dieses Jahr, in dem die Entfremdung zwischen Noemie und ihm Gestalt annimmt.

Während Alphonse-Luis seine Tage zwischen alten Schriften und in Bibliotheken verbringt, macht Noemie Bekanntschaft um Bekanntschaft. Einigen Quellen zufolge gingen ihre Beziehungen dabei weit über das Freundschaftliche hinaus, was der vielbeschäftigte Alphonse-Luis jedoch nicht bemerkte oder absichtlich übersah.[lxxviii] Trotzdem ist es wohl diese Lebendigkeit, die das gesellschaftliche Leben seiner Frau und die Zeit für ihr gemeinsames Kind mit sich bringt, die Alphonse-Luis davon abhält, seine Gedanken über die gelesenen Schriften zu erheben. Noch sammelt er das Wissen wie Bruchstücke. [lxxix] Zu der Synthese, die die Quelle seiner späteren okkulten Werke bildet, führt ihn erst weiteres Leiden – und eine Bekanntschaft.  


Der Magier

Über den Marquis de Montferrier, dessen Schwager und ein Freund seiner Frau, lernt Alphonse-Luis einen Mann namens Hoëne Wronski kennen.[lxxx] Wronski ist ein polnischer Mathematiker und Gelehrter, der zu dieser Zeit den Posten eines Offiziers bekleidet.[lxxxi] Sofort ist Alphonse-Luis von dem ungeheuren Wissen des Polen beeindruckt – von den Naturwissenschaften bis zu den alten Sprachen ist ihm kein Gebiet verschlossen und als Astronom und Mathematiker genießt er einen außerordentlichen Ruf.[lxxxii] Es ist der Pole, der Alphonse-Luis mit den mathematischen Gedanken und den Ideen des napoleonischen Messianismus vertraut macht.[lxxxiii]

 
levi.h5Ob Wronski Alphonse-Luis einer tatsächlichen Einweihung unterzieht, ist fraglich und ungeklärt. Allerdings verfliessen die Jhre 1852 und 1853 Alphonse-Luis unter Betrachtungen dessen, was er von Wronski gelernt hat.

Mitten in dieser Versenkung trifft ihn ein neuer Schicksalsschlag: Noemie flieht mit dem Kind aus der gemeinsamen Wohnung.[lxxxiv] Tief zerrüttet versucht Alphonse-Luis seinen Schmerz und die Verzweiflung in der Arbeit zu vergessen. Er beginnt mit sein bedeutendes Werk „Dogma und Ritual der Hohen Magie“ und nennt sich fortan Eliphas Lévi Zahed – seine Übersetzung des Namens Alphonse-Luis Constant ins Hebräische.[lxxxv]

Noch vor der Veröffentlichung hat sich sein Ruf als Okkultist in kurzer Zeit verbreitet. Leute suchen ihn auf und versuchen, ihn als Lehrer für sich zu gewinnen.[lxxxvi] Einer der ersten Freunde, die Eliphas Lévi auf diese Weise gewinnt, ist Desbarolles, der Graf von Autencourt – ein berühmter Chiromant und Maler seiner Zeit. Dieser nimmt sich der finanziellen Unterstützung des okkulten Schriftstellers an, denn seit der Flucht seiner Frau ist er wieder auf dem Weg in die Armut.[lxxxvii]

Im Frühjahr 1854 verlässt Eliphas Lévi erstmals Frankreich und reist nach England.[lxxxviii] Anlass dieser Reise ist die Nähe seiner noch immer geliebten Frau Noemie, die für Lévi schmerzhaft und unerträglich ist. Mit der Reise nach England will er seine Sehnsucht überwinden.[lxxxix] Von seinen Pariser Freunden aus verschiedenen Freimaurerlogen mit Empfehlungen ausgerüstet, fährt er nach London.

Seine Referenzen öffnen ihm dort Zugang zu den exklusiven Kreisen des englischen Hochadels, wo er herzlich und achtungsvoll aufgenommen wird.[xc] Jedoch fühlt er sich bald von der Oberflächlichkeit der Menschen negativ berührt und schreibt darüber selbst:

»Ich besaß Empfehlungsschreiben an bedeutende Persönlichkeiten, die auf Offenbarungen aus der übersinnlichen Welt gespannt waren. Ich besuchte deren mehrere, fand aber bei allen neben großer Höflichkeit einen hohen Grad von Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit. Man verlangte Wunder von mir zu sehen wie von einem Charlatan. Dies entmutigte mich; denn ich war, um die Wahrheit zu sagen, nicht gar nicht geneigt, andere in die Mysterien der zeremoniellen Magie einzuweihen, da ich hiervon für mich selbst immer Enttäuschung und Ermüdung befürchtete. Außerdem erforderten diese Zeremonien kostspielige und schwer zu beschaffende Werkzeuge.« [xci] 

Neben der Bekanntschaft mit Dr.Ashburner sind es doch zwei Begegnungen in diesen Kreisen, die eine Ausnahme bilden und Einfluss auf ihn nehmen.[xcii]

Da ist zum einen der Schriftsteller Edward Bulwer-Lytton.[xciii] Bulwer-Lytton ist englischer Rosenkreuzer und Hochgradfreimaurer und zählt zu den meistgelesenen Schriftstellern seiner Zeit. Er führt Lévi in die Kreise der Rosenkreuzer ein; und so verbindet ihn mit dem Schriftsteller fortan eine enge Freundschaft. 1866 gründet Bulwer-Lytton die Societas Rosicruciana in Anglia (SRIA), deren Mitgliedschaft einzig Hochgradfreimaurer offen steht. Auch seinen Freund Eliphas Lévi nimmt er in SRIA auf. [xciv]

levi.h6Die andere prägende Bekanntschaft ist jene einer alten, mysteriösen Dame, die Lévi angeblich über Bulwer-Lytton kennenlernt.[xcv] Es ist dies die vermögende Engländerin, die Lévi später selbst in seinem „Dogma und Ritual“ als hohe Eingeweihte[xcvi] beschreibt, deren Namen er jedoch auf sein Versprechen hin verschweigt.

Diese Dame hat von den Wundern gehört, die man von Lévi zu sehen hofft, denen er sich jedoch zur Enttäuschung der Gesellschaft stets verweigert. Da sie außerdem weiß, wie er es selbst bemerkt, dass für entsprechende Zeremonien teure Gegenstände von Nöten sind, unterbreitet sie ihm ein einmaliges Angebot. In mehreren langen Gesprächen und im Laufe der kommenden Tage, gibt sie ihm zu erkennen, dass sie sämtliche Vorbereitungen für eine vollständige Beschwörung getroffen hat. Er nun, der Eingeweihte aus Frankreich, soll das Ritual durchführen. Lévi willigt ein und bereitet sich während einundzwanzig Tagen auf das Ritual vor.[xcvii]

In einem Turmgemach beschwört Eliphas Lévi am 24. Juni 1854 den Geist des lange verstorbenen Magiers Apollonius von Tyana.[xcviii] Er hat sich hierfür zwei Fragen notiert: die eine betrifft einen Bekannten der Dame. Die andere bezieht sich auf seine Beziehung zu Noemie. Er will wissen, ob eine Versöhnung zwischen ihnen möglich ist.

Während der Beschwörung erscheint eine Gestalt, die Lévi mit der des Apollonius identifiziert. Allerdings kostet ihn die Anrufung alle Kraft und noch während des Rituals fällt er in Schlaf. Als er erwacht, hat der Geist kein Wort mit ihm gesprochen; aber er glaubt die Antwort auf beide Fragen wie ein Echo in sich zu hören. Sie lautet: tot.[xcix]

In den kommenden Tagen wiederholt Lévi die Beschwörung noch zweimal. Jedes mal erscheint ihm eine andere Person, deren Namen er jedoch verschweigt. Auch werden ihm zwei kabbalistische Geheimnisse offenbart, »die, aller Welt verkündet, imstande wären, in kurzer Zeit die Grundlagen und Gesetze der ganzen menschlichen Gesellschaft zu ändern.«[c] – auf welche Weise die Offenbarung geschieht und was deren Inhalt ist, bleibt unklar.

Wie die Frage zeigt, die er dem Geiste Apollonius stellt, bleibt er entgegen seiner Hoffnungen auch in England ein Gefangener seiner Sehnsucht. Dies wird dadurch verstärkt, dass ihn auch auf der Insel die Briefe Noemis einholen. Eine Tatsache, die vielleicht das ganze Elend der Beziehung in den letzten Jahren erahnen lässt. Schließlich – vielleicht aufgrund der niederschlagenden Antwort des Geistes – überschreibt er ihr noch von England aus allen Besitz und übernimmt alle Pflichten, die sie ihm anträgt.[ci]

Außerdem erfährt Lévi, dass eine verblühte Liebe von ihm in der Stadt ist. Seit einigen Jahren lebt Eugénie Chenevier in London.[cii] Mühsam und mit minimalen Mitteln ist sie darum bemüht, eine chancenreiches Leben für ihren Sohn schaffen. Entweder lässt es die Zeit nicht zu, oder es mangelt Lévi an Mut: jedenfalls schreibt er Eugénie nicht mehr als einen Brief, in dem er sie um Verzeihung bittet, die er von ihr erhält.[ciii]  


DER GELEHRTE

Im Anschluss an die Beschwörung, körperlich geschwächt und geistig bereichert, kehrt Eliphas Lévi im August 1854 nach Paris zurück. Für einige Zeit zieht er in die Wohnung seines Freundes Desbarolles, da Noemie durch einen Gerichtsbeschluss den Zuspruch für ihre gemeinsame Wohnung erhalten hat. Schließlich findet er Unterkunft in einem ärmlich möblierten Studentenzimmer im ersten Stock des Hauses Nummer 120 auf dem Boulevard de Montparnasse.   

Dies ist der Ort, an dem er sein großes magisches Werk, das  Dogma und Ritual der Hohen Magie  vollendet. Nur weil die Bruderschaft der Karmeliter einige Gemälde einer Kapelle bei ihm in Auftrag gibt, ist es ihm möglich, das Nötigste zu bezahlen.

Noch im selben Jahr erscheint das »Dogma« in einzelnen Kapiteln für einen kleinen Kreis von Freunden und Schülern; die Veröffentlichung des gesamten Materials zieht sich bis 1856 hin. Erst Im Jahr darauf, 1857, erscheint die das Werk in erster Auflage in Buchform.[civ] Obgleich sein geringes Vermögen dadurch nicht größer wird, legt er mit diesem Werk den Grundstein zu seinem Ruhm und Erfolg.

1855 – das »Dogma« ist noch nicht einmal vollständig der Öffentlichkeit übergeben – gründet er mit seinen alten Bekannten Fauvety und Lemonnier eine Zeitschrift mit dem Titel  La Revue Philosophique et Religieuse.[cv] Diesmal ist ihrer Unternehmung mehr Glück beschieden; die Zeitschrift erscheint über drei Jahre hinweg. Lévi veröffentlicht in ihr zahlreiche Artikel über die Quabbalah.[cvi] 

In den kommenden Monaten widmet Lévi sich rein literarischen Arbeiten. Durch Vermittlung Desbarolles lernt er Alexander Dumas kennen. Dadurch erhält er die Gelegenheit, Lieder im »Le Mousquetaire«, einem von Dumas herausgegebenen Journal, zu veröffentlichen.[cvii] In einem dieser Gedichte vergleicht er Napoleon III. mit dem römischen Kaiser Caligula. Das Poem wird dem Herrscher bekannt und missfällt ihm so sehr, dass Eliphas abermals hinter die Mauern von St. Sulpice wandert. Einige Tage nach seiner Inhaftierung beginnt er die Arbeit an einem weiteren Gedicht. Indem erklärt er ironisch, dass die Satire auf Napoleon III. ein Missverständnis und Irrtum der Richter war. Auch dieses dringt bis zum Herrscher vor, der den Schriftsteller kurz darauf begnadigt. Eliphas Lévis dritter Gefängnisaufenthalt währt so nur wenige Tage.[cviii]   

Durch steigende Einnahme kann er es sich leisten im Juni 1857 sein armseliges Studentenzimmer zu verlassen und in ein schöneres in der Avenue du Maine Nr.19 umzuziehen. Lévi dekoriert das sonnige Zimmer mit Malerein und widmet sich wieder verstärkt dem Unterricht seiner Schüler.[cix] Die Erfahrungen, die er während seiner Londoner Beschwörungen gesammelt hat, will er seinen Schülern ersparen. So lässt er sie ein feierliches Versprechen ablegen, sich jeder zeremoniellen Magie, ja jedweder praktischen magischen Operationen auf Lebenszeit zu enthalten.[cx]

Vor allem um seinen Schülern das Studium zu erleichtern, entschloss er sich seinem »Dogma und Ritual« noch einige ergänzende und erläuternde Werke folgen zu lassen. Zunächst erscheint davon 1858 und 1859  Die Geschichte der Magie.[cxi] An der Veröffentlichung des Buches verdient Eliphas Lévi ganze 1.ooo Francs, was eine beachtliche Summe für die damalige Zeit ist.[cxii] Außerdem beschert ihm die Veröffentlich die Bekanntschaft mit dem Großteil der bekannten Okkultisten Frankreichs. Dazu zählen vor allem Henri Delaage, Luc Desages, Paul Auguez, Jean-Marie Ragon, Henri Favre, der Kartenleger Edmont, der Magnetiseur Cahagnet sowie  Dr. Fernand Rozier, dem man in späteren Tagen als dem Lehrer Dr. med. Encausse alias Papus wiederbegegnet.[cxiii]

Vor Lévi liegen die sieben leichtesten Jahre seines Lebens. Während die Geschehnisse seiner Biographie ungewohnt ruhig verlaufen, arbeitet er an dem letzten Band seiner großen magischen Trilogie, dem  Schlüssel zu den großen Mysterien. Dieser Band gliedert sich in vier Werke, in denen er seine ganzes Wissen – teils in offenbarer, teils in verschlüsselter Form – einarbeitet. Seine Tage werden durch die Arbeit an den Manuskripten und dem Unterricht völlig aufgezehrt; schließlich ist Lévi gezwungen sich einen genauen Tagesplan anzulegen. Doch vor allem die Lehrstunden seiner Schüler, von denen nicht wenige aus den höchsten Kreisen des Adels stammen, bescheren ihm einen ungekannten materiellen Wohlstand, den er größtenteils auf die ständige Erweiterung seiner Bibliothek verwendet.[cxiv]


levi.h7Auf Drängen seiner Freunde Fauvety und Caubet, empfängt er eines Tages Abgesandte einer Pariser Freimaurerloge, dessen Vorsitzender der Caubet war. Kurze Zeit darauf, am 14. März 1861, erfolgt seine offizielle Aufnahme in die Loge mit dem Namen „Rose der vollkommenen Stille“. Bei der Begrüßungsrede erläutert Lévi den Grund seiner Anwesenheit folgendermaßen:

»Ich komme um die verlorenen Traditionen in die Mitte ihrer Gemeinschaft zurückzubringen – es handelt sich, um die exakte Kenntnis ihrer Zeichen und ihrer Embleme. Infolgedessen bin ich hier, um ihnen das Ziel zu zeigen, für das ihre Vereinigung einst gegründet wurde.«[cxv]

Wie man sich vorstellen kann, ist der Versuch von wenig Glück begleitet. Obgleich eine große Zahl von Brüdern an diesem Abend anwesend sind, stoßen Lévis Ausführungen über die Kabbala als der Quelle der freimaurerischen Symbolsprache auf Unglauben und taube Ohren.[cxvi]

Inzwischen ist Eugénie Chenevier nach Paris zurückgekehrt. Eliphas Lévi erfährt davon, dass sein Sohn in der Stadt und schreibt Eugénie in einem Brief, dass er sich fortan um das Kind kümmern will. Die Mutter antwortet und stimmt seinem Anliegen zu.

Das Jahr 1860 bleibt das einzige, das der Sohn bei seinem leiblichen Vater verbringt.  Denn schon im Jahre 1861 beendet ein Streit mit Eugénie über Geldfragen Lévis Beziehung zu seinem Sohn. Eugénie sieht Lévi Zeit seines Lebens nicht mehr – mit seinem Sohn verbindet ihn hingegen eine letzte Begegnung an seinem Sterbebett.[cxvii] 

Im selben Jahr, es ist Mai 1861, reist Lévi in Begleitung seines Freundes Alexandre Branicki[cxviii] ein zweites und letztes Mal nach England. Während sie mehrere Monate bei Edward Bulwer-Lytton zu Gast sind, wird die Freundschaft zwischen Lévi und Bulwer-Lytton noch enger und intensiver.[cxix] Während seines England Aufenthalts besucht Lévi auch das Medium Eugen Vintras, der ihm im Jahr zuvor durch zwei seiner Anhänger eine Einladung überbracht hat.

levi.h8Im Juli 1861 findet der italienische Baron N. J. Spedalieri bei einem Buchhändler in Marseille eine Ausgabe des „Dogma und Ritual“, die großes Interesse bei ihm weckt. Schließlich entscheidet er sich dazu, mit dem Autor zu schreiben. Aus diesem folgenschweren Entschluss, ergibt sich ein Wechsel von mehr als 1.ooo Briefen, der vom 24. Oktober 1861 bis zum 14. Februar 1874 dauern sollte.

In dessen Verlauf weiht Lévi den Baron in die Geheimnisse der Kabbala und schmückt seine Ausführungen mit unzähligen Figuren und Anekdoten.[cxx] Der Baron Spedalieri ist während der kommenden Jahre einer der wichtigsten Mäzenen des französischen Okkultisten.

Es ist das selbe Jahr, in dem Eliphas Lévi Besuch von einem Engländer namens Kenneth MacKenzie erhält.[cxxi] Der Mann ist noch sehr jung und schildert Lévi später als »einfach, aufrichtig und gerade heraus«.[cxxii] Der Gelehrte hingegen kann an dem Engländer, der angibt sich sehr für die okkulten Wissenschaften zu interessieren und dabei Eliphas Lévis Tabaksdose für ein altehrwürdiges magisches Gerät hält, nicht viel abgewinnen. Im Gegenteil er erscheint ihm so naiv und ungebildet, dass er ihm erzählt, das quabbalistische Buch Sepher ha-Zoahr sei so umfangreich, dass man zehn Ochsenkarren benötige, um auch nur ein einziges Exemplar davon von der Stelle zu bewegen.[cxxiii] – Trotz dieses unglücklichen ersten Eindrucks zählt MacKenzie später zu den Schülern Lévis, deren Korrespondenz über zehn Jahre andauerte und viele Hinweise auf die Erläuterungen der geheimer Lehren enthält.[cxxiv] 

Zurück in Paris veröffentlich Eliphas Lévi sein heute beinahe unbekanntes Werk  Der Zauberer von Meudon[cxxv], das der Witwe von Balzac gewidmet ist. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten ist er nun regelmäßig in der Pariser Loge der »Rose der vollkommenen Stille« anwesend. Am 21. August 1861 wird Lévi sogar der Meistergrad verliehen. Aufgrund einer Meinungsverschiedenheit mit einem anderen Mitglied – wieder geht es dabei um okkulte Themen – verlässt Lévi jedoch kurz darauf die Loge und kehrt nicht mehr zu ihr zurück.[cxxvi]

Etwas zu dieser Zeit wird seine Ehe mit Noemie vor dem Gericht für ungültig erklärt. Als Grund dafür wird Lévis zweite kirchliche Weihe angeführt, die ihm das Zölibat auferlegt und offiziell zu dem Zeitpunkt der Heirat – wie auch später noch – gültig war. Der ganze Schmerz der unglücklichen Zeit sucht Lévi noch einmal heim und reist ihn aus seinen okkulten Studien. Als ihm Noemie ein altes Bild von sich zusendet, versucht er sie noch einmal zu besuchen. An der Tür ihres Hauses lässt sie sich jedoch verleugnen und so kehrt er enttäuscht zurück. In den folgenden Wochen gelingt es Lévi nur durch größte Sammlung, sein Gleichgewicht wieder zu finden.[cxxvii]    

Am 29. August 1862 übergibt Lévi seine Studien und Analysen der pythagoräischen Symbole, der apokryphen Evangelien, des Talmuds und anderen mystischen Texten der Öffentlichkeit. Das Buch – heute ebenfalls vergriffen – trägt den Titel  Fabeln und Symbole. Aus Neugier besucht Lévi ungefähr zur selben Zeit einige spiritistische Seancen – um seinen Ruf zu schützen, bleibt er dabei in kognito.[cxxviii] In seinen freien Stunden pflegt er sich mit seinem Nachbarn zu unterhalten. Seit seinem Umzug ist dies Pierre Christian, der Autor des seltsamen Romans »L’Homme rouge des tuileries«.[cxxix]

Im darauffolgenden Jahr, 1863, stirbt der Freund Lévis und Anhänger Hoëne Wronskis Lous Lucas.[cxxx] 1864 zieht Eliphas Lévi ein letztes Mal um. Er räumt sein kleines, geschmücktes Zimmer und zieht in eine Dreizimmerwohnung im zweiten Stockwerk der Rue de Sèvres Nr.155.[cxxxi]

1865 erscheint ein neues Werk des französischen Okkultisten  Die Wissenschaft von den Geistern. Doch der Titel führt in die Irre – nichts verbindet das Buch mit dem damals weithin bekannten Spiritismus. Wie schon in seinen  Fabeln und Symbolen  besteht auch diese Arbeit zum größtenteils aus Deutungen und Erläuterungen zu antiken, apokryphen und jüdischen Symbolen.[cxxxii] Was Lévi bei seinen sozialen und politischen Schriften nie zugelassen hätte, tut er nun freiwillig: er unterwirft all seine Bücher und Arbeiten der kirchlichen Zensur. Diese hält es aber nicht nur nötig, seine Schriften mit ihrer Imprimatur zu belegen. Der Kirche erscheinen die Arbeiten Lévis nicht gefährlich; sie hält sie für »weder für förderlich noch für verwerflich, sondern nur für ungewöhnlich.«[cxxxiii]

Lévis eigene Studien dieser Jahre beziehen sich nur noch um zwei Themen: Kabbala und Tarot. Unter großer Arbeit versucht er sich einen perfekten Kartensatz zusammenzustellen, was ihm auch mit einem deutschen und zwei italienischen Spielen gelingt.[cxxxiv]  

Sein darauffolgendes Werk –  Das Buch der Lichter  – ist das Resultat seiner Kabbala- und Talmudstudien den Jahren 1866 bis 1896. Gleichzeitig mit der beginnenden Arbeit an dem »Buch der Lichter« begegnet Lévi der Herausgeber Larousse und bittet ihn um einige Artikel zur Kabbala für sein großes Wörterbuch. Lévi willigt ein und arbeitet ununterbrochen an den Artikeln, seinen Studien und den zahlreichen Lehrbriefen.[cxxxv]

Etwa zu dieser Zeit bemerkt der Fünfundfünfzigjährige erstmals die Nervenschmerzen in seinem Kopf. Sie nehmen schnell zu und markieren den Anfang eines langen Leidens. [cxxxvi] 

Als er sich dem Abschluss am »Buch der Lichter« nähert, bemerkt er die von selbst eingetretene Dreiteilung des Werkes. Aufgrund des großem Umfangs sieht er sich gezwungen, das Buch in drei Teile zu brechen. So entstehen  Das Buch der LichterDas Grosse Geheimnis  und  Das Buch der Weisen, die jedoch alle erst lange nach seinem Tod erscheinen werden.

Die Belagerung von Paris im Jahre 1870 bringt für Lévi große Entbehrungen mit sich. Die politischen Umstände schneiden ihn von den Beziehungen zu seinen Schülern in der Provinz und im fernen Ausland ab. Somit unterbrechen auch die Zahlungen und Unterstützungen und Lévi beginnt von seinem wenigen Ersparten zu leben.

Schließlich wird ihm auch noch eine schwerwiegende Erkrankung des Herzens attestiert. Um so mehr ist er von nun an auf die Pflege der Witwe Balzacs angewiesen, die sich auf ihrem Schloss fürsorglich um ihn kümmert. Doch alle Mühe ist vergeblich – die Belagerung von Paris setzt Lévis Gesundheit zunehmend zu.

Da erreicht ihn in den Kriegswirren das Angebot einer befreundeten Schülerin aus Deutschland, Frau Gebhard aus Elberfeld.[cxxxvii] Trotz seines schlechten Zustandes macht sich Lévi auf den Weg und erreicht im Juli 1871 Elberfeld.

Unter der Pflege Frau Gebhards kräftigt sich sein Zustand schnell und bereits zwei Monate darauf, im September 1871 finden wir ihn auf dem Rückweg nach Paris wo er sich in die Hände eines befreundeten Arztes begibt.[cxxxviii] Neben seiner gesundheitlichen Verbesserung wirkte die Reise nach Deutschland vor allem auch geistig anregend auf den Franzosen. Eingehend beschäftigt er sich in der kommenden Zeit mit der jüngsten deutschen Philosophie; ausgehend von Eduard von Hartmann gelangt er zu Darwin und Büchner, die er sehr sarkastisch beurteilt.[cxxxix] Seine Gedanken fasst er in einem kleinen Band zusammen –  Die Türen der Zukunft.[cxl]

Kurz nach der Rückkehr aus Deutschland erfährt Lévi von dem Tod der Baronin Spedalieri. Von dem Schmerz und der Trauer dieses Ereignisses zerrüttet, wendet sich ihr Mann von Lévi und den okkulten Lehren ab. In einem seiner letzten Briefe an seinen Lehrer, bezeichnet er sich als Atheist und Materialist.[cxli]        

Schließlich kommt Lévis Arbeit an einem weiteren Werk zum Ende. Im Dezember 1871 schließt er  Le Gremoire Franco-Latomorum  ab. Es ist dies eine eingehende symbolische Erläuterung der Riten der Freimaurer, des Hochwissens des Hiram oder der Mysterien des salomonischen Tempels. Bis heute bleibt dieses Manuskript ungedruckt – ebenso wie seine anschließende Arbeit  Das Evangelium der Wissenschaft, in der er die Lehren und Entdeckungen Wronskis erläutert.[cxlii] Gleich nach dessen Abschluss fügt Lévi 1873 ein kleines Manuskript an  Die Religion der Wissenschaft, in der er die Vereinigung von Vernunft und Glaube erklärt.[cxliii]

Sein Gesundheitszustand ist kläglich; neben der Arbeit an seinen Büchern ist es Lévi nun auch aus körperlichen Gründen nicht mehr möglich, seine Wohnung zu verlassen. Vor allem seine Beine, die infolge seiner Wassersucht stark anschwollen, bereiteten ihm Probleme. Außerdem überkommen ihn oftmals Ohnmachtsanfälle. Seinen eigenen Angaben nach sind es jedoch diese Anfälle, die ihm höhere Betrachtungsweisen eröffnen.[cxliv] Zur gleichen Zeit nimmt er noch neue Schüler an, um die er sich mit der gewohnten Hingabe und Sorgfalt kümmert.[cxlv]

Während des Jahres 1874 verschlimmert sich sein Zustand: eine ernsthafte Bronchitis, Erstickungsanfälle und ein nicht abschwellendes Fieber lassen ihm fast keine Möglichkeit, sich zu erholen.

In all dem Leiden, dass trotz der ständigen Verschlechterung  ein rein körperliches zu bleiben scheint, vollendet er im Januar 1875 sein letztes Werk: den  Katechismus des Friedens.[cxlvi] Nun beginnen seine Schmerzen in ein langsames Siechtum überzugehen, das es ihm in den folgenden Monaten unmöglich macht zu arbeiten. Eliphas Lévi kann zu dieser Zeit weder gehen noch liegen. Er verbringt Tage und Nächte in einem Lehnstuhl, in dem er am Nachmittag des 31. Mai 1875 – mit den Sakramenten seiner Kirche versehen – mit 65 Jahren stirbt.  

levi.h9Am 2. Juni findet in der Kirche St. Francois-Xavier die kirchliche Einsegnung statt, woran sich die Beisetzung auf dem Friedhof von Ivry anschließt. Sein Grab wird mit einem einfachen Holzkreuz markiert. Sechs Jahre darauf wird die Ruhe seiner Überreste ein letztes Mal gestört: man exhumiert seinen Leichnam und überführt ihn in ein Armenmassengrab.[cxlvii] 

Was von ihm bleibt, sind die Erinnerung an ihn und seine Werke.

verfasst von »Camaysar«

editiert von Agrippa


Anmerkungen  

[i] Oftmals fälschlich mit dem 11.2.1810 bezeichnet; so z.B. Zawischa; S.172

[ii] Werle, S. 240

[iii] King, S.17

[iv] Eschenmann sowie Werle; S.240

[v] King, S.17

[vi] King; S.17

[vii] Zawischa; S.172

[viii] Werle; S. 241

[ix] Eschmann

[x] Eschmann

[xi] Werle; S.242

[xii] Eschmann

[xiii] Werle; S.242

[xiv] Im Gegensatz zu anderen Quellen, die bereits hier seine Weihe zum Diakon vermerken, gibt Werle eindeutig an, dass er zu diesem Zeitpunkt lediglich die erste der drei höheren Weihen (Subiakon-, Diakon-, und Priesterweihe) erhält. (Werle; S.243)

[xv] Werle; S.243

[xvi] Eschenmann

[xvii] Werle; S.244

[xviii] Werle; S.244

[xix] Eschmann – Erstaunlicherweise findet diese entscheidende Tatsache in Werles detaillierter Biographie keine Erwähnung.

[xx] Werle; S.245

[xxi] Eschmann

[xxii] Eschmann

[xxiii] Werle; S.246

[xxiv] Werle; S.246/247

[xxv] Werle; S.247

[xxvi] Dies zumindest nach der Aussage Werles, der jedoch keine genauere Angabe zur Art des Elends macht. (Werle; S.247)

[xxvii] Werle; S.247

[xxviii] Eschmann

[xxix] Unklar ob der wenigen Quellen ist,  ob sich aus diesem Treffen eine Bekanntschaft entwickelte. (Werle; S.247)

[xxx] Eschmann – Der einzige Grund, der für sein plötzliches Verlassen der Stadt angenommen werden kann, ist der Ekel vor der Armut und Bourgeoisie und die Sehnsucht nach einem Leben in spiritueller Geborgenheit. (vgl. Werle; S.248) Hierüber scheint es jedoch keine gesicherten Erkenntnisse zu geben.

[xxxi] Eschmann

[xxxii] Werle; S.248/249

[xxxiii] Der Eintritt in das Seminar von Solêsmes liegt nach den Quellen zwischen 1838 und 1839. Das Datum seines Austritts ist nicht eindeutig zu entnehmen. Manche Quellen nennen das Jahr 1840. Werle hingegen behauptet, er sei zu diesem Zeitpunkt bereits 31 Jahre – demnach wäre das Jahr 1841.  (Werle; S.249)

[xxxiv] Eschmann 

[xxxv] Lévi; 1994; S.507-510; Alphonse-Luis lernt Ganneau anfangs unter dem Namen „Der Mapah“ kennen. 

[xxxvi] Werle;S.250

[xxxvii] Die Darstellung folgt hier Eschmann. Bei Werle liegt der Zeitpunkt der Inhaftierung hingegen ein Monat später auf Anfang Mai. (Werle; S.2)

[xxxviii] Eschmann

[xxxix] Werle;S.251

[xl] Werle;S.251

[xli] Eschmann

[xlii] Werle; S.252

[xliii] Die Darstellung folgt hier Werle; S.252; anderen Quellen zufolge ist Alphonse-Luis nach dem Gefängnisaufenthalt in große Armut gefallen. Sein Elend wurde so groß, dass er seine Bilder an Touristen verkaufen musste. Erst über diesen Umweg – da seine Malerein angeblich so außergewöhnlich gut gewesen sein sollen – soll er den Auftrag in Choisy le Roi erhalten haben.

[xliv] Eschmann

[xlv] Werle; S.253

[xlvi] Werle; S.254

[xlvii] Werle; S.254

[xlviii] Eschmann

[xlix] Eschmann; Werle; S.255

[l] Werle; S.255

[li] Eschmann

[lii] Werle;S. 255

[liii] Werle; S.255/256

[liv] Dieser Sohn, Xavier Henri Alphonse Chenevier (٭ 29.09.1846 – † 1916), hatte selbst einen Sohn namens Pierre. Heute besteht diese Nachkommenschaft Lévis aus der Linie Eugénie Cheneviers aus mehr als 40 Personen in 6. Generation. (Eschmann) 

[lv] Werle;S. 256/257

[lvi]Die Darstellung folgt hier Werle; S.257; Eschmann gibt eine andere Erklärung. Dieser Quelle zufolge haben sich Alphonse-Luis und Noemie schon früher in Choisy le Roi oft und heimlich getroffen. Die Erpressung des Vaters, Alphonse-Luis müsse seine Tochter, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal 18 Jahre alt war, heiraten, steht somit in einem anderen Licht. Ebenso Alphonse-Luis selbst, der die schwangere Eugénie demnach wissentlich mit der jungen Noemie hintergangen hätte.

[lvii] Werle; S.257

[lviii] Werle; S.257

[lix] Eschmann

[lx] Eschmann

[lxi] Werle; S.257

[lxii] Eschmann

[lxiii] Da das Kind 1847 bereits geboren ist (ein genaues Datum wird nicht genannt), die Hochzeit allerdings erst im Juli des Jahres zuvor stattfand, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Noemie bereits vor der Hochzeit schwanger war. Dies würde auch die plötzliche und entschiedene Reaktion des Vaters erklären. Mit allen Mitteln wollte er verhindern, dass seine Tochter das selbe Schicksal ereilte wie Eugénie Chenevier – verlassene Mutter eines unehelichen Kindes zu werden.

[lxiv] Eschmann

[lxv] »Le Tribun du Peuple«, erschienen vom 16.3. bis zum 30.3.1848 (Eschmann)

[lxvi]Werle;S.258

[lxvii] Eschmann

[lxviii] Werle;S.258

[lxix] Das “Testament der Freiheit” gilt als Synthese seines gesamten literarischen und politischen Schaffens bis zu diesem Zeitpunkt. (Werle; S.258)

[lxx] altmodischer französischer Ausdruck für Trödler

[lxxi] Aufgrund seiner guten Hebräischkenntnisse, die er sich während seiner Ausbildung angeeignet hatte, ist es ihm möglich die Kabbala im Original zu lesen. Die Frankfurter Ausgabe von 1677 wird somit zu seiner vornehmlichen Lektüre. (Werle;S.260)

[lxxii] Eschmann – Werle hingegen erklärt, dass während dieser Jahre Alphonse-Luis’ „Studien und Forschungen so gut wie eingeschlafen waren.“ (Werle; S.260)

[lxxiii] Es finden sich u.a. Veröffentlichungen von ihr in den Zeitschriften „Le Tintamarre“ und „Le Moniteur du Soir“ (Eschmann)

[lxxiv]Werle;S.259/260

[lxxv] Dort sind sie mittlerweile dem Moder anheim gefallen und zerstört. (Werle; S.259)

[lxxvi] Werle zufolge, ist dies erst der Anstoß für die erneute Aufnahme seines Studiums. Im folgenden vermerkt er die selben Autoren als hauptsächliche Quellen – Rosenroth bis Gœrres – deren Namen weiter oben im Artikel genannt sind. (Werle;S.260)

[lxxvii] Werle; S.260

[lxxviii] Werle; S.261

[lxxix] Werle; S.260/261 – Auch andere Quellen vermerken den Beginn Alphonse-Luis eigentlich magischer Beschäftigung auf den Zeitpunkt der Bekanntschaft mit Hoëne Wronski.

[lxxx] Eschmann

[lxxxi] Noch heute ist der Nachlass Wronskis in der kaiserlichen Bibliothek in Paris gelagert. (Werle; S.261)

[lxxxii] Werle;S.261

[lxxxiii] Eschmann

[lxxxiv] Werle;S.262

[lxxxv] Werle;S.262 – Einer anderen Quelle zufolge, soll er noch während der Anwesenheit Noemies die Arbeit an dem »Dogma und Ritual der Hohen Magie« begonnen und das Pseudonym angenommen haben. (Eschmann)

[lxxxvi] Werle; S.262

[lxxxvii] Wie es aus Briefen hervorgeht, ist es später auch Desbarolles, der von Eliphas bevollmächtigt wird und die Auseinandersetzung der beiden Ehegatten regelt sowie die Auflösung des gemeinsamen Haushaltes überwacht. (Werle; S.262)

[lxxxviii] Werle;S.262

[lxxxix] Lévi erwähnt dies indirekt in seinem „Dogma und Ritual“, wenn er dort schreibt: „Im Frühling des Jahres 1854 war ich nach London gereist, um inneren Kümmernissen zu entfliehen und mich ohne Ablenkung der Wissenschaft hinzugeben.“ (Lévi; 1992; S.202)

[xc] Werle (S.263) nach einem Brief von Lévi an die Dame Legrand.

[xci] Lévi; 1992; S.202

[xcii] Eschmann

[xciii] U.a. Autor des bekannten Rosenkreuzer-Romans „Zanoni“, der Theosophie und Anthroposophie prägenden  Romane „Vril – The coming race“ und „Zicchi“, sowie des viel gelesenen historischen Romans „Die letzten Tage von Pompeij“.

[xciv] Tegtmeier;S.160/S.180

[xcv] Die Geschichte der geheimnisvollen Bekanntschaft Lévis sowie der darauffolgenden Beschwörung ist in seinem „Dogma und Ritual“ nachzulesen: XIII. Kapitel des Dogmas – „Die Nekromantie“ (Lévi;1992; S.199-209) – Sie steht allerdings im Widerspruch zu der Behauptung Werles (S.263), er habe die Bekanntschaft der Dame durch Bulwer-Lytton gemacht.

[xcvi] Er stuft hierbei jedoch deutlich ab: „Ich gab das verlangte Versprechen und halte es, indem ich weder Namen, Rang noch Wohnung jener Dame nenne, welche ich bald als Eingeweihte, vielleicht nicht des höchsten, aber immerhin eines hohen Grades erkannte. “ (Lévi; 1992; S.203)

[xcvii] Die Gebräuche für diese Vorbereitung beschreibt Lévi im XIII.Kapitel des Rituals – „Die Nekromantier“ (Lévi; 1992; S.204; siehe für das Kapitel: Lévi;1992; S.409-424)

[xcviii] Verschiedenen Quellen zufolge (Tegtmeier;S.50) war während der Beschwörung zumindest die Dame oder aber auch sein Freund Bulwer-Lytton anwesend. Lévi selbst beschreibt, dass er das Ritual allein und ohne die Nähe einer anderen Person durchführte. (Lévi;1992;S.204)

[xcix] Lévi;1992;S.206-206

[c] Lévi; 1992; S.206/27

[ci] Mit diesen Pflichten meint Werle möglicherweise Zahlungen für das gemeinsame Kind (Werle;S.263). Zu bedenken ist an dieser Stelle jedoch, dass Desbarolles zusammen mit Noemie, wie erwähnt, die Aufteilung der Güter und des Haushaltes vornimmt, während Eliphas Lévi noch in England ist (Eschmann). Die Überschreibung aller Güter an Noemie, die bei Werle (S.263) erwähnt wird, ist möglicherweise eine nur Verwechslung mit der brieflichen Bevollmächtigung Desbarolles. Denn falls sie dies nicht ist, bleibt die Frage offen, wessen Aufteilung Desbarolles in dem gemeinsamen Haushalt überwacht und geleitet haben soll.

[cii] Ihr Sohn ist zu dieser Zeit bei seinem Onkel, dem Gatten von Eugénies Schwester, wo er die meiste Zeit seiner Jugend verbringt. Die Suche nach Arbeit hat sein Mutter nach England geführt, von wo aus sie für die Bedürfnisse von sich und ihrem Sohn aufzukommen versucht. In London bekleidet sie für einige Zeit eine Stelle als Erzieherin und Französischlehrerin. (Eschmann)

[ciii] Eschmann

[civ] Werle;S.264

[cv] Eschmann

[cvi] Eschmann

[cvii] Werle; S.264

[cviii] Eschmann

[cix] Eschmann

[cx] Werle; S.265 – Lévis Beteuerung, er selbst hätte nach den Erfahrungen der drei Beschwörungen in England keine magischen Operationen mehr durchgeführt, haben die Aufzeichnung in seinem posthum gefunden Notizbuch als falsch entlarvt. (Werle;S.263)

[cxi] Werle; S.265

[cxii] Eschmann

[cxiii] Eschmann

[cxiv] Eschmann

[cxv] freie Übersetzung aus dem Französischen nach Eschmann – Das Orignialzitat entstammt einem Buch des Logenvorsitzenden Caubet aus dem Jahre 1893 und lautet: „Je viens apporter au milieu de vous les traditions perdues, la connaissance exacte de vos signes et de vos emblèmes, et par suite, vous montrer le but pour lequel votre association a été constituèe…“

[cxvi] Eschmann

[cxvii] Eschmann

[cxviii] Mit diesem hat er in den Monaten zuvor alchemistische Versuche mit nicht geringem Erfolg im Schloß von Beauregard (heutiges Bürgermeisteramt von Villeneuve-Saint-Georges) durchgeführt. Das Schloß gehörte zu dieser Zeit der Witwe von Balzac, wo sich Lévi auch mit dem Schwiegersohn von Frau Balzac, dem Grafen Georges Minszech, befreundet.(Eschmann)

[cxix] Laut Tegtmeier ist die SRIA Bulwer-Lyttons ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegründet. Der Quelle Eschmann zufolge ist Lytton allerdings kurz vor Lévis Ankunft bereits in die Führungsspitze der SRIA aufgenommen worden. (Eschmann) Die Richtigkeit beider Angaben kann hier leider nicht überprüft werden.

[cxx] Eschmann – Ein Auszug aus dem Briefwechsel ist im Ansata Verlag unter dem Titel „Eliphas Lévi. Einweihungsbriefe“ veröffentlicht.

[cxxi] Es ist dies der selbe Mackenzie, der Jahre darauf untern Umständen für das Auftauchen der mysteriösen Manuskripte verantwortlich ist, die in die Hände des englischen Geistlichen Woodford gelangen und später die Grundlage des Golden Dawn bilden. (King; S.24)

[cxxii] King; S.23

[cxxiii] King;S.23

[cxxiv] www.themystica.com/mystica/articles/l/levi_eliphas.htm — Lévi erwähnt das Treffen mit Mackenzie gegenüber Spedalieri in seinen Briefen Nr.6 und 22 (Lévi;1990;S.17/43)

[cxxv] In diesem Werk setzt Lévi seinem geistigen Vorbild, dem dichter Rabelais, und dessen dichterischer Hauptfigur, dem herrlichen Pantagruel ein Denkmal. (Werle;S.266) 

[cxxvi] Eschmann – Am nächsten Tag versucht Caubon Lévi zur Rückkehr zu bewegen, scheitert aber an dessen Entschluß. 1885 beendet die Loge ihre Arbeit.

[cxxvii] Werle;S.266

[cxxviii] Eschmann

[cxxix] Eschmann

[cxxx] Zu Lebzeiten war er Chemiker und hatte sich die Einweihung in die hermetischen Schriften erarbeitet. Seine eigenen Werke enthalten den ersten Versuch einer Synthese, die okkulte und experimentelle Wissenschaften miteinander verbinden sollte. Außerdem war er der Erfinder des Biomètre, eines Geräts, das das Gleichgewicht des lebensnotwendigen Magnetismus eines Menschen messen konnte. (Eschmann)

[cxxxi] Eschmann

[cxxxii] Das Werk ist folgendermaßen gegliedert: 1.Teil – die Legenden der Talmudisten über die Geschichte Jesu Christi; 2.Teil – die kabbalistischen Lehren über Engel, Dämonen und die Seelen der Verstorbenen; 3.Teil: Phänomene der Nekromantie und der Einweihungsmysterien; Anhang – das wahre wesen des Katholizismus (Werle; S.267)

[cxxxiii] Werle; S.266

[cxxxiv] Seine darauf basierenden Arbeiten, ein Tarot nach den ursprünglichen Lehren zu entwerfen, konnte er vor seinem Tod nicht mehr abschließen. (Werle; S.267)

[cxxxv] Eschmann; Werle; S.267/268

[cxxxvi] Eschmann — Werle (S.269) notiert den Beginn seiner Leiden nach der Rückkehr von einer Reise nach Marseille. Genaue Daten für diese Reise gibt er allerdings nicht.

[cxxxvii] Diese Dame – mit vollem Namen Marie Gebhard-L’Estrange – sollte später einen großen Einfluß als Lévis ehemalige Schülerin gewinnen. Während sie ihren Lehrer selbst mehrere Mal in Paris besucht hat, spielt sie nach seinem Tod eine Schlüsselrolle bei der Gründung der deutschen Sektion der theosophischen Gesellschaft (mit dem Hauptsitz in ihrem Haus: Platzhoffstrasse 12, Elberfeld). Ihr Mann war dabei als Sekretär für die Korrespondenzen zuständig. So kamen später berühmte Personen wie Madame Blavatsky selbst und der bedeutende deutsche Theosoph Dr. Franz Hartmann oft zu Besuch in ihr Haus. (www.themystica.com/mystica/articles/l/levi_eliphas.htm)

[cxxxviii] Werle;S.269

[cxxxix] Werle;S.270

[cxl] Eschmann

[cxli] Eschmann

[cxlii] Im Herbst 1872 heiratet seine Exfrau, die mittlerweile eine bekannte Schriftstellerin und Bildhauerin geworden ist, den Abgeordneten von Marsaille, Moritz Rouvier, der später den Posten eines Handelsminister erhält. (Eschmann) 

[cxliii] Werle; S.270

[cxliv] Eschmann

[cxlv] Zu den wenigen heute bekannten Schülern Eliphas Lévis zählten somit: Baron N.-J. Spedalieri; Kenneth Mackenzie; eine Frau namens Hanzka (geborene Rzuwuska), die eine bedeutende Rolle im Leben Balzacs spielte; Marie Gebhard; Mrs. L. Hutchinson, die einen Teil ihrer Briefe in Martinisten Magazin „L’initiation“ veröffentlichte; ein Arzt in Berlin. In seinem 57. Einweihungsbrief an Spedalieri erwähnt er selbst seine 12 Schüler, nennt sie aber nicht namentlich. (Lévi; 1990; S.98) 

[cxlvi] Werle;S.270


Quellen:

Drury, Nevill; Lexikon esoterischen Wissens; Knaur Verlag; 1988

Lévi, Eliphas; Einweihungsbriefe in die Hohe Magie und Zahlenmystik; Ansata Verlag; 1990

Lévi, Eliphas; Geschichte der Magie; Sphinx-Verlag; 19944

Lévi, Eliphas; Transzendentale Magie – Dogma und Ritual; Sphinx Verlag; 19925

King, Francis; Magie – Eine Bilddokumentation; Umschau Verlag; 1975

Roberts, Marc; Das neue Lexikon der Esoterik; Zsolnay Verlag; 1993

Spence, Lewis; The Encyclopedia of the Occult; Bracken Books; 1994

Tegtmeier, Ralph; Magie und Sternenzauber – Okkultismus im Abendland; Dumont Verlag; 1995

Werfel, Franz; Versuch einer Biographie; In: Lévi, Eliphas; Der Schlüssel zu den Grossen Mysterien nach Henoch, Abraham, Hermes Trismegistos und Salomon; O.W. Barth-Verlag; 1966

Zawischa, Ernst; Eliphas Levi – Zu seinem 100. Todestag am 31.Mai 1975; In: Das Goetheanum – Wochenschrift für Anthroposophie; 54. Jahrgang; Nr.22; 1. Juni 1975  

Eine entscheidendes Werk, dass leider vergriffen ist, konnte aus Zeitgründen nicht mehr in den Artikel eingearbeitet werden. Zur vertiefenden Lektüre sowie der Vollständigkeit halber sei jedoch darauf verwiesen:

McIntosh, Christopher; Eliphas Lévi and the French Occult Revival; Rider Publishing; 1972 


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