Johannes Wierus (Weyer)

Wierus, Johannes (1515-1588), auch Weier, Wier, Weyer, Wierius

Johannes Wierus wurde 1515 zu Grave in Nordbrabant geboren. Er begann seine Studien als Schüler des Agrippa von Nettesheim, machte nach dessen Tod (1535) ausgedehnte Reisen und wurde nach seiner Heimkehr Leibarzt des freisinnigen Herzogs Wilhelm IV. von Jülich, Cleve und Berg (1550), »in welchem Amte er sich 33 Jahre sehr rühmlich aufführte und selbigen Fürsten auf seinen Reisen in Teutschland und Preussen begleitete… (er) war auch an der Kayser Carl V., Ferdinands I., Maximilians II. und Rudolphs II. Hofe in Ansehen«.

Kulturgeschichtlich hochbedeutsam ist sein Buch De praestigiis daemonum et incantationibus et veneficiis libri V (Basel 1563, 7. Aufl. 1583), von Neufforge als »die bedeutendste Kulturtat der Zeit« bezeichnet. Wierus vertrat darin die Ansicht, dass die »Hexen« nicht abgeurteilt werden sollten und dass (lt. Zedler) »alle diejenige, denen man dergleichen Dinge Schuld gäbe, melancholische Personen wären, und dahero sich einbildeten, daß sie einen Pact mit dem Teufel hätten, so, daß sie in der That mehr Erbarmens- als Strafwürdig wären«.

Damit zählt Johannes Wierus mit Balthasar Bekker (1634-1694), Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635) und Christian Thomasius (1655-1728) zu den Vorkämpfern gegen den Hexenglauben. Er erhob zeit seines Lebens seine Stimme gegen die Hexenjagd der Inquisition.

Seine beiden wohl bedeutendsten Werke sind De praestigiis daemonum. Von ihrem Ursprung, Onderscheid etc., Basel 1577, Ndr. 1969, Histoires, disputes et discours des illusions des diables, Genf 1579, Ndr. Amsterdam 1971.

De praestigiis daemonum erlebte zahlreiche Auflagen (lt. Zedler 1. Auflage Basel 1556) und wurde auch ins Deutsche übersetzt – Titel hier: Von Zauberern und Hexen (Tecklenburg 1571), sowie De praestgiis daemonum: Von Teuffelsgespenst, Zauberern und Gifftbereytern, Schwartzkünstlern, Hexen und Unholden, Frankfurt 1586; Neudruck der Ausgabe, 1578: Amsterdam 1967.

Dieses Werk wurde von dem Inquisitor Jean Bodin sehr bekämpft, mit Hinweis darauf, dass Wierus zwar die Hexen verteidige, selbst aber wie einst Agrippa von Nettesheim, teuflische Beschwörungsformeln lehre.

wierus

Dass Wierus nicht bloß ein Aufklärer und Neuerer, sondern auch ein Kind seiner Zeit war, schildert Zedler: »Er beschrieb auch das Reich der Hölle mit dem Nahmen und Zunahmen der 572 Fürsten unter den Teufeln, und der 1.405.926 geringen Geister. Ferner bekannte er, er habe des Trithemii steganographia (Trithemius) gefunden, nebst den Nahmen der Teufel und den Gebeten, die man gebrauchen muß, wenn man sie um ihren Beystand anruffen will« (vgl. dazu Agrippa/Nowotny 1967).

Weitere Werke des Wierus sind: »De incantationibus ac veneficiis« (Basel 1556/1583); De lamiis et commentitiis jejunis (Basel 1582); Liber apologeticus de Pseudo-Monarchia Daemonum, ein Werk, das Wierus zu seiner Zeit den Ruf eines Dämonologen und Schwarzmagiers einbrachte, in dem er anschaulich die Hierarchie der Hölle beschrieb. Zu den markantesten Dämonen seiner Sammlung zählen Beelzebub, Satan, Euronymus, Moloch, Pluto und Baalberith. Wierus führt hierin auch Proserpina swoei Ashtaroth als Erzdämonen an. Nach Nowotny handle es sich bei diesem Werk jedoch um die Persiflage eines »höllischen Dienststellenplanes«), Basel (Jahr unbekannt).

Ferner gibt es in manchen Bodin-Ausgaben des Liber apologeticus als Anhang die veröffentlichte Diskussion mit diesem Autor.

Auch medizinische Werke hat Johannes Wierus verfasst. Zu nennen wären hierbei: De morbo irae, De scorbuto, Observationes mediae rariores und ein in deutscher Sprache geschriebenes Artzney-Buch von einigen zu selbiger Zeit nicht gar zu bekannten Kranckheiten (Franckfurt 1588). Eine lateinische Gesamtausgabe wurde 1600 in Amsterdam publiziert.

Als Herzog Wilhelm, Wierus‘ Gönner und Schutzherr, unheilbar erkrankte, nahmen die Hexenverfolgungen zu und Wierus musste den jülich-bergischen Hof verlassen. Er starb im Jahre 1588 in Tecklenburg.


Quellen:
Biographie von C. Binz (Bonn 1885), Ndr. 1970; vgl. auch Graesse 1843, S. 55; Hammes 1977, S. 193 f.;
Baschwitz 1963, S. 104 f.

Hans Biedermann: »Lexikon der magischen Künste«, 1998, 3. Auflage

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