Roger Bacon

Bacon, Roger (»Doctor mirabilis«) (1214-1294)

Englischer Philosoph und Naturforscher, geboren ca. 1214 in Ilchester, gestorben ca. 1294 in Oxford. Nicht zu verwechseln mit Francis Bacon (1561-1626)!

Bacon war bestrebt, die Theologie von der profanen Wissenschaft zu trennen, wobei er jene nur auf Beobachtung, Versuch und Berechnung gegründet wissen wollte. Obwohl er diese Forderungen in der Praxis nur selten erfüllte, wird er als einer der ersten echten Naturforscher des Mittelalters bezeichnet. Von 1244 bis ca. 1252 studierte Bacon in Paris und hörte dort u.a. Albertus Magnus dozieren. Um 1257 trat er dem Franziskanerorden bei, ohne jedoch offenbar für den Dienst in einem strengen Orden geboren gewesen zu sein.

Durch Verbreitung eigenwilliger Lehren machte sich Bacon bei seinen Oberen unbeliebt. Als Papst Clemens IV., mit dem Bacon korrespondierte, 1268 starb, konnten seine geheimwissenschaftlichen Neigungen nur dazu führen, dass ihn sein Ordensgeneral zu einer Klosterhaft verurteilte. Die gelegentlich geäußerte Annahme, der Anlass hiefür wäre das Werk Speculum astronomiae gewesen, wurde von dem Historiker L. Thorndike mit guten Gründen widerlegt, da dieses Werk sicherlich von Albertus Magnus stammt.

Bacons ferneres Schicksal ist ungewiss. Das letzte von ihm bekannt gewordene Werk Compendium studii theologiae (1292/1293) zeigt seine ungebrochene Eigenständigkeit.

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Bacons Hauptwerke »Opus maius« (darin u.a. die Traktate De iudiciis Astrologiae; Prognostica et siderum cursu; De specierum multiplicatione; De arte experimentali, Opus minus sowie Opus tertium) dürften zwischen 1260 und 1268 entstanden sein. Bacons Autorschaft verschiedener unter seinem Namen herausgegebener Texte« (z.B. Speculum alchymiae, Nürnberg, 1541 und De arte chymiae scripta, Frankfurt, 1603), wurde oft diskutiert.

In philosophischer Hinsicht ist Bacon Aristoteliker, jedoch mit deutlichen Anklängen des Neuplatonismus. Kulturgeschichtlich interessant ist seine Epistola de secretis operibus artis et naturae, worin Bacon zahllose Maschinen, Fahrzeuge, Luftschiffe usw. vorausahnt und beschreibt. Er zweifelte zeit seines Lebens nicht an der Realität der Magie, legte jedoch großen Wert auf eine Unterscheidung zwischen der satanischen und der (damals) erlaubten »Magia naturalis«.

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Die Alchemie schätzte er hoch, obwohl Aristoteles nie über sie geschrieben habe; sie könne durch Erzeugung von Gold und Elixieren viel nützen, doch wäre sie nur für jene zugänglich, die mit der Bedeutung von Adler, Hirsch, Schlange und Phönix (d.h. mit dem Geheimnis der Erneuerung) vertraut wären. Sie habe sich mit allen denkbaren Zusammensetzungen der tellurischen Stoffe zu befassen, und das Goldmachen sei nur eine von 145(?) verschiedenen Kombinationsarten.

In astrologischer Hinsicht ist Bacon der Meinung, dass die Gestirne nur die allgemeinen Tendenzen des Schicksals bestimmten, der Wille des Menschen jedoch frei sei. Alchemie, Astrologie und Magie sind für Bacon der Höhepunkt der Naturwissenschaft, eine Geheimlehre im strengen Sinne.


Quellen:

Bibliographie: »Überwegs Grundriß der Philosophie« (Geyer)

Biedermann, Hans: »Lexikon der magischen Künste«

Paetow: »Guide to the Study of Mediaeval History« (Neudruck 1959)

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