Häufig gestellte Fragen zur Magie

1. Was ist Magie?

Magie ist eine Kunst (Intuition) und Wissenschaft (Ratio), mit Hilfe veränderter Bewusstseinszustände, im Einklang mit dem Willen, Veränderungen auf der physischen (körperlichen), astralen (seelischen) und mentalen (geistigen) Ebene herbeizuführen, immer durchgeführt mit der Zielsetzung von Erkenntnis und Wissenserlangung (Gnosis, im Unterschied zum reinen, »unterwürfigen« Glauben der Religionen). Dies geschieht in der Regel durch eine Kontaktaufnahme mit feinstofflichen Wesenheiten im Rahmen geeigneter, ritueller Paradigmen unter Berücksichtigung von Entsprechungen und Sympathien (Korrespondenzen). Magie ist folglich eine Geisteswissenschaft, da sie primär durch den Geist des Magiers (und die Folge der Invokation) oder aber den Geist eines anderen Wesens (die Folge der Evokation) wirkt.

2. Warum funktioniert Magie?

Die dabei Ausschlag gebende, »triggernde« Kraft wirkt durch das Unterbewusstsein des magisch Operierenden: Wird sie auf ein bestimmtes Ziel gelenkt, wird sie auf direktem Wege dafür sorgen, selbiges zu erreichen. Ein Beispiel: Wenn Ihnen etwas liegt, dann mögen Sie es auch – und umgekehrt. In diesem Fall sind Sie sehr wahrscheinlich auch gut darin. Wenn Sie indes etwas tun, was Ihnen widerstrebt, so unterlaufen Ihnen Fehler, sind unkonzentriert und lassen sich leicht ablenken – kurzum: es passieren Dinge, die verhindern, dass Sie erfolgreich sind. Leider ist aber das Unterbewusstsein nicht unfehlbar, denn nicht nur die gesamte Lebensenergie ist hier »zu Haus«, sondern auch alle »schlummernden« Blockaden, Neurosen, Phobien, Psychosen etc. Letztere sind die eigentlichen, »wahren Teufel« und »fratzenhaften Dämonen«, die es – vor allem in der Magie – zu wecken und ggf. auszutreiben gilt – kein leichtes Unterfangen, das auch eine Portion Mut und viel »Erdung« (d.i. Meisterung der Alltagsrealitäten) erfordert.

Eine andere Kraft wirkt durch die – nur dem Menschen gegebene – Sprache, durch Worte. In der praktischen Magie wendet man deshalb vor allem Affirmationen und sog. Mantras an, bis hin zu theatralisch inszenierten Beschwörungsformeln, vorgetragen in »wallenden Gewändern« bzw. Roben. Ob Gesten, Buchstaben, Worte, Zahlen, Farben, Symbole, Vorstellungen, Duftstoffe – was auch immer, – in der Magie können sozusagen alle Register gezogen werden, um sowohl über Ihre primären fünf Sinne als auch über Ihren Geist auf Ihr Unterbewusstsein einzuwirken, es zu formen, es zu programmieren. Hierzu bedient man sich eines »Tricks«, hilft seinem Unterbewusstsein quasi auf die Sprünge, indem man es mit sog. archetypischen Signalen »füttert«.

3. Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die notwendig sind, um sich sinnvoll mit Magie beschäftigen zu können?

Ja, die gibt es. Von elementarer Bedeutung sind zunächst zwei: Zum einen die Bereitschaft, durch Erziehung und/oder Autoritäten übernommene Paradigmen (Denkmuster, die das Weltbild, die Sicht von Welt einer bestimmten Zeit präg(t)en) und Konventionen (soziales Verhalten, das der Gesellschaft/Masse als Verhaltensnorm gilt) zu überprüfen, in Frage zu stellen, ggf. zu modifizieren oder gar über Bord zu werfen, ungeachtet der damit verbundenen, vermeintlichen Probleme und der dabei zwangsläufig entstehenden »Reibungspunkte« in vorzugsweise gesellschaftlicher Hinsicht (Stichwort: Religionen). – Zum anderen der feste Wille, auch dann durchzuhalten (geistig, seelisch und körperlich), wenn der »Karren im Schlamm festzustecken« scheint – was oft der Fall sein wird, denn auch auf magischen Pfaden regnet es schon auch mal ein paar Tage ohne Unterlass, fallen einem die Dinge nicht in den Schoß – im Gegenteil: Der Mut und die Fähigkeit, Realitäten zu relativieren, um sie ggf. auf eine sog. »Meta-Ebenen« zu transformieren (um wiederum in Folge erstmals einen beobachtbaren Standpunkt zu generieren), wird keinesfalls dadurch erreicht, indem man bei der kleinsten Hürde, dem kleinsten sich einstellenden »Schmerz« aufgibt.

4. Welche Fähigkeiten werden mir als »Schüler der Magie« zunächst beigebracht?

Geistig: Aufmerksamkeit! – Seelisch: Gelassenheit! – Körperlich: Entspanntheit!

Durch die Aufmerksamkeit des Geistes schärfen Sie Ihre Sinne und lernen sich und Ihre eigenen Impulse besser kennen. Durch Gelassenheit lernen Sie, alle Phänomene, die Ihnen auf den magischen Pfaden begegnen mögen, ohne emotionale und voreingenommene Wertung einzuschätzen und konstruktiv zu nutzen. Durch körperliche Entspanntheit lernen Sie, Ihren Körper besser zu beherrschen und Blockaden zu lösen, die Sie sonst nur behindern würden. Alle drei Faktoren stehen in Wechselwirkung zueinander und bedingen sich daher gegenseitig. Sie gehören zu den drei Grundlagen der »Magie der Paradigmen«.

5. Darf ich denn über meine okkulten Interessen und Beschäftigungen sprechen?

Magie hat nichts gemein mit »verbotenen, blasphemischen Praktiken, wider eines monotheistischen Gottes«, mit geheimen Verschwörungen oder -theorien, Psychosekten, oder sogenanntem Satanismus, der angeblich dem christlich tradierten Teufel frönt, wenngleich uns das sog. »Sektenbeauftragte« institutionalisierter Religionen oder aber die marktschreierischen Ergüsse der journalistischen Regenbogenpresse immer wieder glauben machen wollen. Dennoch: Verschwiegenheit ist in der Magie – wenngleich aus einem gänzlich anderen Grund – einer von vier wichtigen Maximen: Wissen = Klugheit/Intellekt – Wagen = Mut (zur Veränderung, wider dem Dogma) – »Wollen« = Wille = Stärke – Schweigen = Druckerzeugung = Kompressor. D.h. Sie sollten zumindest über Ihre eigenen Rituale Stillschweigen bewahren, um zu vermeiden, dass »Ihre Magie« zerredet wird, bzw. gedankliche Irritationen durch Dritte hervorruft, was einer ursprünglichen Zielsetzung in der Magie massiv zuwider laufen kann (Gedanken = Energie).

6. Kann denn jeder Magie wirken?

Ja, doch dazu müssen wir zunächst ein wenig ausholen: Da der Mensch von seiner Grundlage her ein geistiges Wesen ist, einem »universalen Geist« entspringt, kann im Prinzip auch jeder Mensch Magie wirken, wobei es natürlich Unterschiede in der Professionalität, der Effizienz gibt. Unbewusst tun dies übrigens bereits alle Menschen, namentlich durch ihre Art des Denkens. Magie hat sehr viel mit Denken und mit Gedanken zu tun. So besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen unserem Denken und der Art, wie wir »Wirklichkeiten« erfahren, verarbeiten, erschaffen. Diese erschaffenen Realitäten wiederum treten in eine Interaktion mit unserer gedanklichen Vorstellung »des Machbaren« (Konstruktion von Erfahrungswirklichkeiten). Hierzu einige gravierende Beispiele aus der Astronomie: »Die Erde ist eine Scheibe«, »Der Mensch kann selbst nicht fliegen«, »Die Erde befindet sich im Mittelpunkt des Planetensystems«, »Der Mond geht auf, die Sonne geht unter« und dgl. mehr. (Axiom der „Magie der Paradigmen“: »Wahrheit ist immer relativ. Deshalb gibt es sie immer auch so oft, wie denkende Wesen sie zu erschaffen, zu erhalten und zu zerstören imstande sind«. – vgl. auch Systemtheorie, Erkenntnistheorie.)

In der Mehrzahl der Fälle ist der Mensch aber nicht Herr seines Denkens, sondern seines Empfindens, seiner Gefühle, oder er ist stets hin- und her gerissen durch Ereignisse in seiner Umgebung, seiner Umwelt. Dieses »Durcheinander« muss zunächst ins Bewusstsein gebracht werden, um dort geordnet und kanalisiert zu werden. Das alles wiederum können Sie erlernen, stellt aber für einige einen langen, schwierigen und auch schmerzhafter Weg dar, abhängig davon, wie weit diese Prozesse bereits gediehen sind, wie viel Sie bereits aus früheren Inkarnationen an Fähigkeiten oder auch Behinderungen mitbringen. Einige wünschen Sie dafür einen erfahrenen Lehrer, der sie entsprechend anleitet (mehr kann und darf es niemals sein!), andere wiederum meistern diesen Weg autodidaktisch, gilt es letztlich, einst Gekonntes und Gewusstes erneut an die Oberfläche des Bewusstseins zu bringen.

7. Ich bin schon mehrfach auf den Begriff »Magick« gestoßen. Was ist darunter zu verstehen? Ist das vielleicht ein Schreibfehler?

Nein, das ist kein Schreibfehler und durchaus so beabsichtigt, wenngleich wir dieses Wort nicht verwenden, da wir keine »Thelemiten« (Begriff bitte googlen, falls unbekannt) sind, das bevorzugt von selbigen verwendet wird. Das Wort Magick wurde von dem angelsächsischen Magier Aleister Crowley eingeführt und etabliert. Es handelt sich dabei um eine Verballhornung des ursprünglichen Wortes magic, was nichts anderes als Magie bedeutet, sich aber durch die besondere Schreibweise von der Bühnenzauberei und von »Pseudomagier/innen« unterscheiden soll. Insofern besteht oberflächlich betrachtet auch nur ein marginaler Unterschied zwischen den Begriffen Magie und Magick. Dennoch hat sich in der Definition dieser Begriffe im magischen Sprachgebrauch ein klarer Unterschied herauskristallisiert, weil unter Magic oder Magie heutzutage besagte Zauberkunststückchen eingeordnet werden können. Das aber hat mit der hier vorgestellten Magie – also der magick – nichts zu tun. Magick soll deshalb einen individuellen Weg kennzeichnen, die Realität mittels Magie zu beeinflussen bzw. zu verändern, Informationen zu erhalten und Kräfte zu rufen und/oder zu bannen! Die deutsche Rechtschreibung lässt eine solche Identifizierung indes nicht zu. Auch Zauberkünstler bezeichnen sich oft als Magier und nicht als das, was sie im Grunde wirklich sind: Illusionisten.

8. Ich will Magie erlernen; muss ich mir nun einen pers. Lehrer suchen oder ist es besser, Mitglied in einer Vereinigung zu werden, die Magie lehrt oder soll ich mich selbst und alleine damit beschäftigen?

Wie jeder Weg, beginnt auch der magische Pfad mit dem ersten Schritt. So fängt man natürlich erst einmal mit der Theorie an, um das Pferd richtig herum aufzuzäumen. Die theoretischen Grundlagen sind sozusagen der Einstieg in das magische Gedankengebäude. Das können – und sollten Sie auch – alleine tun. Suchen Sie sich also eine esoterische Buchhandlung in Ihrer Nähe und begutachten Sie zunächst einmal das dortige Angebot. Bestimmt wird es einige Bücher geben, die Ihnen besonders ins Auge fallen. Das ist kein Zufall, und wenn Sie es sich leisten können, sollten Sie versuchen, diese Bücher auch zu erwerben. Es ist ein okkultes Gesetz, dass, wenn man sich mit einem Thema gedanklich besonders intensiv beschäftigt, einem Dinge zufallen (Zufall, zufallen), die dieses Thema unmittelbar berühren. Das gilt in diesem Fall sowohl für die entsprechende Literatur als auch ganz besonders für einen Lehrer oder eine Vereinigung. Viele Interessierte lernen diese Wissenschaft heutzutage autodidaktisch. Andere haben das Bedürfnis nach einem Lehrer, fühlen sich dort besser aufgehoben, sprich beschützt. Lassen Sie sich dabei unbedingt von Ihrem Gefühl leiten! Wenn es richtig für Sie ist, einen Lehrer zu haben, wird Ihnen ein solcher auf Ihrem Weg auch begegnen. Ähnlich verhält es sich mit okkulten Organisationen, von denen es eine ganze Reihe gibt. Für viele – sprich: eigentlich die meisten – ist dieser Weg aber bereits nach wenigen Monaten der theoretischen und praktischen Beschäftigung auch schon wieder zu Ende, denn – wie bereits oben erwähnt – ist es kein leichter Weg, und nicht umsonst gilt die Regel: »Viele sind berufen, doch nicht alle sind erwählt!«. Und selbst wenn Sie Jahre durchhalten sollten: am sog. »Hüter der Schwelle« angelangt trennt sich die Spreu vom Weizen endgültig.

9. Was ist der »Hüter der Schwelle«?

Bei diesem Begriff handelt es sich um ein sog. archetypisches Prinzip, mit dem jeder, der sich ernsthaft mit Magie beschäftigt, über kurz oder lang konfrontiert wird (und das nicht nur einmal). Astrologisch ist diesem Prinzip der Planet Saturn zugeordnet, was dem astrologisch Bewanderten bereits einiges sagen dürfte. Saturn steht für das Schicksal, das Karma, das Verhängnis, für Krankheit, Siechtum und Tod – aber auch für die Erkenntnis, die mit der Überwindung dieser Dinge zusammenhängt! Saturn ist das Prinzip, das dem Menschen Grenzen setzt! Dies jedoch nicht, um daran zu scheitern, sondern um selbige zu überwinden! Wer dennoch daran scheitert, der ist noch nicht reif für die weiteren Schritte, die Welt dahinter. Und genau das repräsentiert besagter Hüter. Er konfrontiert Sie – den Suchenden – mit Ihren eigenen Grenzen und Schwierigkeiten. Bevor aber die Schwelle hinter dem Schleier überschritten werden kann, muss der Suchende den entsprechenden Schlüssel für das Tor dazu finden. Dies geschieht durch eine kontinuierliche Konfrontation mit den ureigensten Ängsten und Unzulänglichkeiten während der praktischen Beschäftigung mit Magie, die sich durch die persönlichen Verdrängungen manifestieren. Das können unaufgearbeitete Konflikte sein, die plötzlich wieder auftauchen (z.B. Eltern-Kind-Konflikte), es kann sich um verdrängte Ängste wie »Angst vor der Dunkelheit« handeln, Neurosen und diverse andere Probleme. Manchmal, nicht immer, erscheint der Hüter der Schwelle auch in personifizierter Form, so z.B. im Traum. Der Hüter der Schwelle ist ein Pförtner, ein Wächter an der Pforte zu einer »reinmagischen«, nichtdualistischen Welt – wer ihn überwinden will, muss zunächst sich selbst überwinden!

10. Was sind Archetypen und warum sind sie in der Magie so wichtig?

Darunter versteht man so etwas wie Urbilder und -kräfte, die in der kollektiven Psyche der Menschheit wirksam sind und sich in bestimmten geistigen Zuständen, z.B. im Traum oder in Trance, manifestieren und spezifische Inhalte vermitteln können (vgl. Morphogenetik, Morphologie). So stellen bspw. die Bilder auf den ersten 22 Hauptkarten des Tarot (die sog. »Trümpfe« oder »Arkana«) derlei archetypische Kräfte dar. Aber auch Engel und Dämonen sind in gewisser Weise Archetypen, verkörpern sie doch etwas grundsätzlich Gutes oder generell Schlechtes, selbstverständlich aber nur im Rahmen eines manifestierten, gelebten dualistischen, monotheistischen Paradigmas. Derlei Paradigmen gibt es auch – bzw. gerade in der Magie – einige, die allesamt funktional sind, sofern man deren Archetypen zu kontaktieren bzw. anzuknüpfen imstande ist. Die sog. Hohe Magie wiederum bedient sich größtenteils des Potentials dieser Kräfte.

11. Was versteht I.M.B.O.L.C. unter »Schwarzer Magie«?

Angesichts dieses wichtigen und leider immer wieder fehl interpretierten Begriffes wollen wir hier etwas ausführlicher werden:

Sie alle kennen sicherlich Aussprüche des sog. »Schwarz-Weiß-Denkens«, wie bspw. »Entweder, oder!« – »Wer nicht für mich ist, ist gegen mich!« oder »Gute und böse Magie«. Die sog. Schwarze Magie, wie übrigens auch die Weiße Magie, existiert größtenteils (näheres dazu weiter unten) nur in den Köpfen derer, die danach trachten, ihre eigenen Ideale und Abneigungen, gestützt auf Dogmen, zu schubladisieren. Es mag Sie nun durchaus erschrecken, aber: Es existiert weder eine weiße, noch schwarze Magie, sondern nur eine Magie. Lediglich der/die Operierende instrumentalisiert sie zu etwas »Gutem« oder »Bösem«, abhängig von der anerzogenen und gelebten Ethik und Moral. Ebenso gibt es weder einen »guten«, »lieben«, noch »bösen« Gott, oder wie auch immer man »ihn« bezeichnen mag.

Die Magie selbst ist immer eins, eine Realität jenseits von Raum, Zeit und Kausalität. Dualistische Aufspaltungen sind Fiktionen unseres Geistes, »Dinge« für uns, aber niemals an sich und eine zwingende Notwendigkeit der Vielheit, um in der Physis agieren und interagieren zu können.

Verantwortlich für jenes »Schwarz-Weiß-Denken« zeichnet übrigens der sog. persische »Zoroastrismus« längst vergangener Tage, benannt nach seinem einstigen Begründer Zoroaster bzw. Zarathustra. Auch sind die vielen uns »bekannten« Götter (Polytheismus) lediglich Elohim (hebr.) – wörtlich übersetzt: »Göttersöhne« – also wertneutral zu betrachten und Emanationen des kosmisch Einen, des kosmischen Urgrundes, des Unbegreiflichen. Viele unserer StudentInnen verstehen sich in diesem Zusammenhang deshalb als Agnostiker und können Religionen, hinsichtlich weltanschaulicher Fragen und dem damit verbundenen dogmatischen Engagement, nur wenig abgewinnen – ersetzen Glauben durch Wissen.

Ferner ist anzumerken, dass man – wie der Name selbst schon aussagt – bei der Schwarzen Magie zum schwarzen und eben nicht zum dunkelgrauen Farbtopf greift. Was das bedeutet? Nun, »wahre« – also eine wirklich ernst gemeinte und philosophisch begründete – Schwarze Magie bedeutet eine völlige Abwesenheit des kosmischen Sonnenprinzips und somit auch Lebensprinzips. Sie ist folglich das Gegenteil von Licht, rebelliert gegen den kosmischen Akt der Schöpfung, das Schöpferische, das Sichtentfaltende, das Leben Erhaltende – was übrigens noch keine allgemeine Theologie impliziert, wenngleich grundsätzlich davon ausgegangen wird!

Jeder sollte deshalb zwischen ihr – der Schwarzen Magie – und jenen magischen Zuständen unterscheiden lernen, die vermeintlich schwarze sind, also nur schwarz zu sein scheinen, es aber tatsächlich gar nicht sind, da in ihnen (also in Folge ihrer eigenen Seele!) noch immer ein Lichtfunke, eine Glut glimmt, die bereit bzw. fähig ist, zu einem Feuer, zu Licht zu werden.

Was damit gemeint ist? Einfacher und zeitgemäßer ausgedrückt: Schwarze Magie wird nicht dadurch praktiziert, indem man sich uni schwarz kleidet, sich ein inverses Pentagramm um den Hals hängt, um zu mitternächtlicher Stund‘ auf Friedhöfen einem sog. »Luzifer« oder »Satan« zu huldigen: Schwarze Magie ist dabei übrigens eben so selten wie Weiße Magie. Leider hängen diese beiden Bezeichnungen des vermeintlich »Bösen« und »Guten« dem inneren und äußeren Leben der sozialen Gesellschaft derart stark an, dass es – bis heute – kaum Sinn hat, dies ändern zu wollen.

Oder, noch einmal anders ausgedrückt: Die Qualitäten und Intentionen eines sog. »Schwarzmagiers« sind weitaus gefährlicher und lebensbedrohlicher als diejenigen, die der Verehrung eines erfundenen Teufels samt seiner dämonischen Heerschar entgegengebracht werden, zudem Letztere – aus einer Schwäche heraus – wiederum nur von einer monotheistisch geprägten, pathologischen Gruppenseele abhängig sind.

Ein rituell tätiger Schwarzmagier ist immer darauf aus, sich bewusst für die Verbreitung sog. »Antikosmos-Strukturen« auf dem materiellen Plan einer menschlichen Welt einzusetzen, dabei in der Regel sein eigenes Überleben – so auch auf anderen Seinsebenen – zu begünstigen suchend. Er versucht, andere Sterbliche an eine Struktur zu binden, die sie zu ihrer endgültigen Vernichtung führt, während er selbst davon überzeugt ist, dieses Schicksal nicht teilen zu müssen, da er sich bspw. in den Dienst eines »Höllenfürsten« gestellt hat, für oder durch diesen wirkt. Schlicht gesagt: ein Ausverkauf.

Der erfahrene Magier indes nimmt von theatralisch inszenierten Versionen der Schwarzen Magie, wie bspw. der »Satansmesse«, der »Schwarzen Messe« oder einem »Hexensabbat« weniger Notiz, es sei denn, es geht ihm vielmehr darum, geeignete Anfänger und Opfer zu finden, zu verwirren, zu be- und verzaubern (= klassischer Vampirismus). Der im 21. Jh. tätige Schwarzmagier bedient sich dabei vorzugsweise der Massenproduktionsverfahren, die den Massengeist ansprechen; sein »Weißer Gegner« geht dabei übrigens gleichermaßen vor.

Frage: Wie aber kann nun ein magisch Unkundiger die Tätigkeiten beider Lager auseinander halten? Antwort: Lediglich die Verfahrensstrukturen und angewendeten Symbole geben darüber Aufschluss, ferner die tatsächlich praktizierten Rituale. Dabei gilt: Keine Partei kann die rituelle Grundstruktur der anderen Partei übernehmen, da dadurch die eigenen Ziele vereitelt würden; und dennoch kann eine Struktur durch eine Veränderung ihrer Ordnung ins Gegenteil verkehrt oder verdreht werden, da dies eine sehr zweischneidige Angelegenheit darstellt, weil immer beide Möglichkeiten offen bleiben.

Auch hierzu ein Beispiel: Das umgedrehte, auf den Kopf gestellte Kreuz auf einem Satansaltar kann sich jederzeit wieder umkehren und den Kosmos, den es in dieser Stellung verkörpert, wiederherstellen, sofern es sich dabei um ein Passionskreuz und nicht um ein gleichschenkliges Sonnenkreuz handelt. Es ist die Doppelwertigkeit der meisten Symbole, die verhindert, dass diese ausschließlich kosmisch oder chaotisch benutzt werden können; um auf das alte Sprichwort zu verweisen: »Daemonus est Deus inversus.« (Der Teufel ist ein umgedrehter Gott). Die Legende vom Teufel, der das Kreuzzeichen fürchtet, ist dann eine wahre, wenn unter dem Kreuzzeichen das kosmische Kreuz und nicht das Passionskreuz verstanden wird, das bekanntlich umkehrbar ist.

 

Für Kabbala-Kundige: Veranschaulichung der Schwarzen Magie
am gespiegelten Etz Chajim – den Qlipoth (Kelipoth)

Aber auch komplexere (Korrespondenz-)Symbole, wie z.B. der Etz Chajim – der »10-stufige« kabbalistische Lebensbaum – kann um 180° gedreht werden. Intelligente Schwarzmagier aber würden dies aus symbollogischen Gründen wahrscheinlich nicht tun, da durch nur eine »Flüchtigkeitsverschiebung« diese qliphotisch strukturierte Antithesis ihr Chaos schlagartig in eine kosmische Ordnung verwandeln würde. Dazu müsste lediglich die zehnte Sphäre (Sefirah Malkuth = das Reich) – also die materielle Erscheinung der Welt – auf ihren rechtmäßigen Platz gerückt werden, den sie vor dem »Sündenfall« einnahm, namentlich auf die von der Pseudo-Sefirah Da’ath (= Wissen) besetzte »Leerstelle«, und der Lebensbaum würde zu einer unumkehrbaren Kosmosstruktur generiert.

Man wird aber auch feststellen, dass bei jedem Versuch, den Etz Chajim umzukehren, die materielle Sphäre »kopflastig« werden würde, und, wenn sie schließlich und in Folge zum zweiten Male »fiele«, an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren und eine Art »kritische Masse« des Kosmos bilden würde, in Bezug auf das Chaos also vice versa. Sie »schlösse« den Kosmos derart zusammen, dass zwischen den inneren und äußeren Daseinsweisen eine Symmetrie entstehen würde, die unmittelbar austauschbar wäre. In diesem Zustand wäre der Mensch sich auf ganz natürliche Weise der Innenwelt in der Außenwelt bewusst, und das »Himmelreich« befände sich – im wahrsten Sinne des Wortes – »auf Erden«.

Überdies zeitigen Meditationen über den vervollkommneten Lebensbaum, seine Pfade und Strukturen stark positive Wirkungen auf den Geist und die Seele des Menschen. Selbst seine Nummerierungen können umgestellt werden; man kann ihn drehen und wenden wie man will, er wird immer kosmisch resp. holistisch wirken.

12. Ich stoße immer wieder auf die beiden Begriffe »Wahre Magie« bzw. »Hohe Magie«? Was genau habe ich darunter zu verstehen, oder, anders gefragt: Was versteht IMBOLC denn darunter?

Nun. Diese vermeintlich so anspruchsvolle Frage lässt sich unserer Meinung nach leicht beantworten:

Sogenannte »Wahre« oder »Hohe« Magie ist uns zum Einen die MAGIA NATURALIS vergangener Tage, unter Einhaltung, Wahrung und Befürwortung des Kategorischen Imperativs des Philosophen I. Kant; zum Anderen die Verwirklichung eines Gleichgewichtes namens »Kopf – Herz – Hand«, d.i. »Denken (Theorie) – Fühlen (Emotionen/Subjektivität) – Handeln (Praxis, Tun). Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

13. Lehren Sie eine besondere Form der Magie?

Ja. Die von uns gelehrte Magie trägt die Bezeichnung »Holistische Magie« (abgeleitet vom griech. hólos = »ganz, ganzheitlich, vollständig«.

Wir verstehen darunter die Betrachtung aller magischen Disziplinen des Abendlandes, so vor allem mit einem faustischen Augenmerk auf die Magie und Philosophie der Antike, wie bspw. die Gnosis, den Neuplatonismus, den Neupythagoreismus, die jüdische Mystik (Geheimlehre = Kabbala), die griechischen Mysterienkulte, die Hermetik und die Alchemie des Mittelalters.

Wir haben diese Bezeichnung vor allem deshalb gewählt, um uns

Letztere dabei nicht generell ablehnen, indes aber auch nicht übermaß bemühen, sondern als das betrachten und behandeln, was sie sind: magische Paradigmen resp. Synkretismen.

Ferner möchten wir hier in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf die von uns gelehrte Dreierstruktur »Kopf – Herz – Hand« hinweisen.

Impressum