Magie und Wissenschaft

Wir alle müssen davon ausgehen, dass unser Sein, unsere Existenz real ist, denn würden wir das nicht tun, müssten wir uns sowohl über den Sinn und Zweck als auch über die Resultate unserer Sinneswahrnehmungen ernsthaft Sorgen machen, was wiederum alle möglichen ontologischen Spekulationen zur Folge hätte, die allesamt einen Prägestempel der Relativierung bekämen. Unser aller Leben und die damit verbundenen, sekündlichen Interaktionen gestaltet sich sehr rätselhaft, wenngleich uns die Naturwissenschaften immer wieder vom Gegenteil bzw. davon überzeugen möchten, dass alle diese vermeintlichen »Wunder« doch ganz plausibel seien. Natürlich leugnen auch Magier nicht, dass, wenn sie spazieren gehen oder sich auf den Boden setzen, einen festen Widerstand unter  ihren Füßen spüren, und dass es sich auch um keinen Traum handelt, wenn sie sich mit dem Mountainbike in einer gefährlichen Kurve eines Schotterweges flachlegen, sondern um einen Unfall, der mitunter schwere Verletzungen nach sich ziehen kann, ganz zu schweigen von den dabei »real« empfundenen Schmerzen. Gänzlich fatale Folgen zöge es nach sich, würden wir gar einen Hechtsprung vom 8. Stockwerk eines Hochhauses wagen, mit der Vorstellung, dass das ohnehin alles nur Einbildung sei, nach einem kurzen Flug abrupt durch ein physikalisches Gesetz mit tödlichen Folgen gestoppt zu werden. Kurzum: es wäre töricht, derlei Erfahrungswerte nicht mit der entsprechenden Sorgfalt abzuspeichern. Diese und noch unzählige andere, tagtäglich von uns physisch erlebten Alltagserfahrungen unterstreichen die Behauptung: physisch = real, doch wie wirklich ist die Wirklichkeit und wie substanziell ist Substanz?

Wir aber stellen uns dennoch die Frage, wie fest bzw. greifbar materielle Dinge und Lebewesen wirklich sind und stellen in diesem Zusammenhang fest, dass außer der physischen noch andere »Welten« bzw. Bewusstseinsebenen existieren. Das fast schon paradoxe daran ist, dass sich die gegenwärtige Physik – namentlich die Quantenmechanik (und damit auch die Grundlagen der theoretischen Chemie) – dieser übrigens uralten Sichtweise immer weiter annähert. Die Quantenphysik gilt ob ihrer modernsten Forschungsergebnisse als eine der kompliziertesten wissenschaftlichen Gebiete, die mit ihrer Wellen- und Teilchentheorie die »Newton’sche Schulphysik« schon längst hinter sich gelassen und postuliert: die uns so wohlvertrauten »Feststoffe« bzw. die »physikalisch greifbar festen Gegenstände« sind alles andere als klar zu definierende Dinge, Körper und Individuen, denn aus physikalischer Sicht besteht jeder Körper aus mehr Raum (Leere), denn aus Substanz. Bezogen auf lebendige Wesen und uns Menschen bedeutet es, dass wir alle mit jeder Zelle und jedem Atom unseres Körpers letztlich genauso viel Energie denn Stoff repräsentieren und eine perfekte Fusion von Energie (Welle) und Form (Teilchen) sind. Das konkrete Forschungsgebiet der Physik lautet Quantenelektrodynamik, da es die Wechselwirkungen und Gemeinsamkeiten zwischen Licht und Materie untersucht.

Was nun angesichts dieser Erkenntnisse verwundert ist, dass selbst im »modernen« 21. Jh. die Mehrzahl der ach so aufgeklärten Bewohner des westlichen Kulturkreises noch immer an der vermeintlichen Evidenz der einst bahnbrechenden Denker Isaac Newton und Rene Descartes festhält und es lediglich einer intellektuellen Elite vorbehalten zu sein scheint, magische, schamanische und alchemistisch-hermetische Ontologien und Kosmogonien zu bestätigen. Besagte Denker glaubten, dass der in ihren Augen materielle Kosmos unzerstörbar ist und dass Materie und Geist zwei voneinander getrennte, unvereinbare Dinge seien und dass die uns umgebende Natur, der Kosmos – also die Materie – etwas objektives und folglich etwas unabhängig Reales darstellt, dass auch dann noch existiert, wenn sein Beobachter – also der Mensch – nicht mehr ist. Diese sogenannte mechanistische Vorstellung von der Welt und ihren nicht weiter zerlegbaren Materiebausteinen (Atomen),  die auf den griechischen Philosophen Demokrit aus dem 5. Jh. v.d.Z. zurückgeht, ist aber seit der subatomar forschenden Quantenphysik längst überholt, wobei letztere immer häufiger mit so »unwissenschaftlichen« Begrifflichkeiten wie »örtlichen Paradoxa«, »Bewegungen«, »abstrakten Ordnungsprinzipien« oder »sich nicht wiederholenden Mustern« hantiert und das einst für unteilbar gehaltene Atom in immer weitere »Kleinstteilchen« zerlegt, die keinen bisher bekannten Gesetzmäßigkeiten zu gehorchen scheinen.

Apropos Kleinstteilchen: Auch scheinen die so oft von uns belächelten »alchemistischen Sudelköche« mit ihren geradezu naiv anmutenden Versuchsanordnungen und Sehnsüchten gar nicht so falsch gelegen zu haben, denn: ein linearer Teilchenbeschleuniger (Zyklotron) bzw. die sogenannte Schwerionenforschung ist mittlerweile imstande, durch Beschuss der beiden Elemente Zinn (Ordnungszahl 50) und Kupfer (Ordnungszahl 29) eine Kernfusion durchzuführen, die zum Ergebnis ein Element hat, das in seinem Kern 79 (stabile) Protonen enthält: Gold.

Es ließen sich noch zahlreiche andere Beispiele anführen, die allesamt aufzeigen, dass sich geradezu neue Maßstäbe, Qualitäten und Definitionen für die menschliche Wahrnehmung und ihre Schlussfolgerungen, das menschliche Denken und Bewusstsein ergeben. In diesem »neuen Licht« betrachtet erheben sich die »okkulten Seinsebenen« auch für einen »Materialisten« bzw. Atomisten auf ein deutlich höheres qualitatives Niveau. Die uns vertraute »objektive Um-Gebung«, die Natur, ihre Bewohner, der Kosmos – alles das sind keine voneinander getrennten Bausteine, da sie »nichts festes an sich« darstellen. Wir alle sind letztlich Teilchen und zugleich (zeitgleich) Energie, Wellenbewegung und Schwingung, sind materieinhärentes Bewusstsein bzw. Geist.

Aber nicht nur die Physik, sondern auch und gerade die Biologie, Philosophie, Psychologie und Soziologie sind hier fundamental betroffen; vor allem deshalb, weil es so vertraute und etablierte Begriffe wie »Ich«, »Ego« und »Selbst« massiv tangiert, dass diese ins Wanken geraten, d. i. die conditio humana, d. h. die Bedingung des Menschseins und des Menschen Natur. Anders ausgedrückt: Das einzig wahrhaft Fundamentale, das, was uns bisher immer geblieben ist, uns immer von Anderen und Anderem abgehoben hat und deshalb sowohl Sicherheit als auch Abgrenzung implizierte – ein individueller Organismus, ein Ich an sich – dieses Eine in seiner Abspaltung (ob nun als Subjekt oder Objekt ist in diesem Fall völlig belanglos) ist überhaupt nicht existent, da alles einem ständigen Wandel, einer ständigen Bewegung und Erneuerung unterworfen ist.

Sie glauben mir nicht? Nun, was sagen Sie dann bspw. dazu, dass sich sämtliche Körperzellen (inklusive aller Neuronen unseres Gehirns) innerhalb von sieben Jahren vollständig erneuern; ja, Sie haben richtig gelesen: erneuern, nicht modifizieren! Werden Sie deshalb alle sieben Jahre zu einem neuen Individuum oder Menschen? Oder anders gefragt: was ist von solch einem Ich bzw. Gefühl von Individualität zu halten? Was macht das Bewusstsein von einer Ichheit aus? Was ist überhaupt »glaubhafte, objektive, konstante Wirklichkeit«?

Ein anderes Beispiel: Jeder von uns besteht aus Abermilliarden von Zellen, von denen – biologisch korrekt interpretiert – eine jede einzelne ein Eigenleben besitzt, autark und unabhängig ist; wohlgemerkt neben ihrer Erneuerung alle sieben Jahre. Wie kann bei zirka zehn Milliarden Gehirnneuronen überhaupt so etwas wie ein individuelles Verstandesdenken bzw. –leben oder die Vorstellung von einer »Person« entstehen? Hier liegt die Theorie nahe, dass nicht nur  tote Gegenstände – also die Materie an sich –, sondern alle lebenden Wesen sowohl Teilchen wie auch Wellen(bewegung) sind, wohlgemerkt: zeitgleich! Das, was wir als Eigenständigkeit und Einzigartigkeit, als Individuationsprozess resp. Person betrachten und handhaben, ist in Wirklichkeit identisch mit den unzähligen Eigenständigkeiten winzigster Teilchen.

Aus dem Blickwinkel der Quantentheorie betrachtet, interagiert der Mensch mit seinem »Quanten-Ich« sowohl als Teilchen wie auch als Welle mit seiner Umwelt, das es vermag, sowohl in diverse Unter-Ichs zu zerfließen, als auch in einem größeren Ich zusammenzufließen und dennoch auf eine magische Art und Weise immer auch es selbst sein kann. Dieser letzte Satz wiederum klingt ganz nach einem Energiemodell, einem Energiemodell des Menschen. Ein Ich-Gefühl entsteht bei ihm erst dann, wenn er auch eine Empfindung von Ganzheit hat und wir alle wissen aus unserer täglichen Erfahrung mit der physischen Welt, dass unser sogenanntes Bewusstsein – also im Sinne eines auf sich selbst reflektierenden Gewahrwerdens – durch ein Gefühl persönlicher Ganzheit und Kontinuität gekennzeichnet ist, was uns wiederum im Alltagsleben ein Gefühl der Einheit verleiht. Bezogen auf das Energiemodell Mensch bedeutet es aber auch, dass alle Menschen – und letztlich alle Lebewesen oder sogar alle Dinge in dieser physischen Welt – auf eine geheimnisvolle Art miteinander verbunden sind oder in Verbindung stehen und einem gemeinsamen großen Ganzen dienen.

Was aber haben das menschliche Sein, seine Natur und die physikalische Auffassung von Realität mit Hermetik und Magie zu tun bzw. gemein? Nun, sie sind die klassischen – von einem Zeitgeist unabhängigen – Vertreter eben jener Weltauffassung, die davon ausgeht, dass der Mensch als Mikrokosmos mit dem ihn umgebenden (Welt-)Raum als Makrokosmos in einer energetischen Verbindung steht und dass unser aller Empfinden von der sogenannten Wirklichkeit abhängig ist von der (qualitativen) Ebene unserer bewussten wie auch unbewussten Wahrnehmung, weshalb diese beiden Lehren auch von mehreren, gleichwertigen Seinsebenen bzw. parallel existierenden Welten ausgehen, analog den Schalen einer Zwiebel. Der physische wie der magische Raum  sind ein und demselben Universum zugehörig und jeder dieser Räume spiegelt sich seinem Wesen nach im anderen.

Nachdem wir nun höchstwahrscheinlich an Ihrem wohl vertrauten Paradigma der physischen Wirklichkeit gerüttelt haben, möchte ich jetzt dazu übergehen, die Welt der Magie mit der Welt der Quantenphysik auf Augenhöhe zu vergleichen. Lassen Sie uns also – im wahrsten Sinne des Wortes – den so viel zitierten Quantensprung wagen.

Angesichts der quantenphysikalischen Erkenntnisse ist die Materie also alles andere als etwas ihrem Wesen nach Konstantes, Festes und im wahrsten Sinne des Wortes Greifbares und somit eindeutig Definierbares, sondern besteht zunächst einmal aus sehr viel Raum  und aus Gegenständen, von denen wir annehmen, dass sie fest seien, in Wirklichkeit aber die Merkmale von energetischen Wellen zeitigen. Wie wir gesehen haben legt die Quantenphysik ihren Betrachtungsschwerpunkt vielmehr auf ein Netz von Beziehungen, gegenseitiger Durchdringung und Interaktion, denn auf Vorstellungen von Originalität resp. individueller Eigenständigkeit. Das führt uns zu der Prämisse, dass auf einer primär energetischen Ebene alle Dinge innerhalb des Universums miteinander kommunizieren und in Verbindung stehen. Auch schluss-folgern viele Quantenphysiker aufgrund entsprechender Versuchsergebnisse im Teilchenbeschleuniger, dass das Bewusstsein eine Eigenschaft der »tot geglaubten« – und vor allem in esoterischen Kreise nicht selten auch für minderwertig erachteten – Materie ist. Derart beleuchtet repräsentiert das gesamte Universum grundsätzlich Geist, also etwas Lebendiges,  wenngleich nicht im herkömmlichen biologisch-organischen Sinne.

Das eigentliche Aha-Erlebnis aber setzt ein, wenn wir die magischen Paradigmen  mit den quantenphysikalischen Fachdisziplinen  vergleichen bzw. miteinander in Beziehung setzen: sie ähneln sich nicht nur, sondern stützen und bedingen sich sogar gegenseitig. Das beste Beispiel sind die frühesten Praktizierenden der Magie – die Schamanen, die bereits seit dem Paläolithikum  unverändert daran glauben, dass alle Dinge innerhalb des Universums auf einer magischen, spirituellen oder energetischen Ebene miteinander verwoben sind und dass die gesamte Welt ihrem Wesen nach belebt und vergeistigt ist und diese universale Lebenskraft als heilig verehren. Dem Schamanen wird der »wahre Pfad des Seins« zugänglich durch das Erforschen eines Netzwerks von heiligen Wechselbeziehungen, indem er durch Rituale und bewusstseinsverändernde Techniken und Drogen mit diesen »Ebenen« in Kontakt tritt.

Auch Magier sind Reisende, sind Psychonauten in den noch unerforschten Tiefen des Raumes, wenngleich in keinem äußeren Raum per definitionem, der bekanntlich von den Astrophysikern untersucht wird, sondern in einem (zunächst) innerseelischen Raum der Introspektion, der von vielen Praktizierenden bereits als Mystik und nicht mehr als Magie bezeichnet wird, was aber zweitrangig ist. Aufgrund dieses Jahrtausende währenden, permanenten Erforschens besagter veränderter (mystischer, magischer, etc.) Bewusstseinszuständen haben es die Schamanen, Hohepriester, Hexen und Magier zu allen Zeiten der uns überlieferten Kulturgeschichte gelernt, den wahren Pulsschlag des Seins und der sogenannten Einheit in Relation zur menschlichen Existenz nicht nur zu erfahren, sondern auch zu deuten. Ihre Konklusionen waren und sind bis heute im Wesentlichen die gleichen, wie die der Quantenphysiker: Der gesamte Kosmos dehnt sich nach allen Richtungen im unendlichen Raum aus, wobei sich das Universum in einem permanenten Fluss und Wandel befindet, was charakterisiert ist durch das universale Fließen von Lebensenergie, und alles, was wir als menschliche Wesen wahrnehmen und erleben, ist Teil eines universalen Energiestroms. Zu banal? Nun, die Wahrheit, ausgedrückt in nur einem aphoristischen Satz, ist nicht zwangsläufig kompliziert, wenngleich das die meisten von uns interessanterweise voraussetzen, angesichts einer aus philosophischer Sicht so fundamentalen Erkenntnis und ihren weitreichenden Folgen.

Alle Magier – d.h. ungeachtet ihrer Couleur, Traditionen und Kultur – anerkennen ebenfalls das wesentliche Einssein, die Einheit aller Dinge und waren sich stets darüber im Klaren, dass Geist und Materie nicht voneinander zu trennen sind und dass bereits der Struktur des Universums an sich eine bewusste Intelligenz innewohnt, was wiederum – bezogen auf den Mikrokosmos Natur und Mensch – bedeutet, dass auch in der physischen, der materiellen Welt in einem energetischen Sinn alles miteinander verbunden ist. Wäre dies nicht der Fall, so würde die Magie – einmal die stochastischen Gesetzmäßigkeiten und Wahrscheinlichkeiten außer Acht gelassen – in neun von zehn Fällen nicht funktionieren und wäre zu Recht ein Metier für »ewig Gestrige«, Leichtgläubige, Abergläubische bzw. (religiöse) Spinner.

Alle Magier verbinden sich im Wesentlichen auf eine energetische Ebene. Da sich Energie auch durch willentliches, bewusstes Denken erzeugen lässt,  können sich Magier mit ihrem Bewusstsein zunächst allen beliebigen Möglichkeiten öffnen; d.h. allen Dingen, die sich die menschliche Imaginationskraft vorstellen kann. Hieraus zieht nahezu jede Form von Magie ihre grundlegende Kraft bzw. Energie.

Fazit: Angewandte Magie kann sowohl ganz konkret als auch unbestimmt sein, ist ihre Kraft und ihr Potenzial im ersten Fall in einem individuellen Sinn erzeugt, gebündelt und seinem Zielort zugeführt worden, so muss sie im zweiten Fall immer auch in einem universalen, ganzheitlichen Sinn zeitunabhängig und unkontrollierbar bleiben. Letzteres führt wiederum dazu, dass alle Magie in letzter Konsequenz für die Einen rätselhaft ist und bleiben wird, für Andere ein gefährliches Spiel mit dem eigenen Seelenheil und Leben, für wieder Andere ein tabuisiertes, blasphemisches Sakrileg.

Und auch auf die Gefahr hin, dass das Folgende Sie nun wieder enttäuschen wird – ebenfalls wahr ist: Eine objektivierbare Realität und somit höchste »heilige« Wirklichkeit wird auch und gerade aufgrund unserer magischen Möglichkeiten – ob wir sie nun Gott, Göttin, Einheit, All-Energie, Nous, Logos o. ä. nennen wollen – immer außerhalb der Reichweite unseres ach so begrenzten menschlichen Erfahrungs-horizontes, Verstandes und Verständnisses liegen. Deshalb muss jeder Schüler der Magie auch akzeptieren, dass wenn er sich auf die Magie einlässt, er sich immer auch etwas Größerem, etwas Höherem, ihm Übergeordneten öffnet, wenngleich das einige der sogenannten »Dunklen Brüder« bis heute nicht wahrhaben wollen. Als ebenfalls gesichert gilt, dass das, was ein jeder Einzelne auf dem magischen Pfad der innerseelischen und spirituellen Entwicklung erfährt, nicht immer das sein wird, was er intendierte, sich vorstellte oder erdachte. Wäre dem so, und wir würden tatsächlich ausschließlich aus unserer narzisstischen, hedonistischen und egoistischen Triebnatur heraus magisch operierten,  würden wir die Möglichkeiten der Magie und ihrer Ergebnisse empfindlich beschneiden. Mit unserem alltäglichen, übernommenen und profanen Wissen von der Welt und unserem jeweiligen Grad an Bewusstheit und Erkenntniskraft (Gnosis) können wir keinesfalls vollständig erahnen, was das Universum uns alles an Erfahrungen, Geschenken und wichtigen Wegmarkierungen bereithält. Daher sind Vorurteilsfreiheit, paradigmatische Offenheit und folglich die Bereitschaft, eigene Anschauungen auch immer wieder zur Disposition zu stellen, um sie ggf. korrigieren zu können, eine überaus sinnvolle und gesunde magische Eigenschaft.

Die Geschichte hat gezeigt – und sie wird es auch zukünftig tun -, dass es immer unterschiedliche philosophische bzw. metaphysische Ansätze waren, um das »Opus Magnum«, das »Magnum Opus« oder das »Große Werk« anzusprechen und umzusetzen, um eine Transmutation der Psyche zu erreichen, um es im »Diesseits« mittels diverser innerer und äußerer Hilfsmittel zu analogisieren,  es in Symbole und Rituale zu kleiden. Das alles ist in seiner Summe dem Magier dabei behilflich, die zentralen Wahrheiten  seiner transzendentalen Natur erfassen zu können, und ihm und seinem Sein einen fassbaren und somit konkreteren Sinn zu verleihen.

Wir sind davon überzeugt, dass darin die Bedeutung und Aufgabe einer heutigen,  »modernen« Magie liegen sollte. Wahre Magie ist deshalb niemals verbrämter Mystizismus,  Wunschdenken oder gar Illusion, wenngleich sie von den meisten Menschen noch immer dafür gehalten und deshalb gemieden wird. Denn was ist wirklicher und somit wichtiger, als der Natur, der Welt, dem Leben, dem Sein, dem Menschsein (wieder) einen Sinn zu geben. Genau aus diesem Grund soll uns das in diesem Leben auch höchste Aufgabe, höchstes Ziel sein.

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