Die Hermetik

Zur Wortherkunft: auch: Hermetismus, »Hermetische Kunst«; abgeleitet von griech. hermetisch, mlat. Bedeutung = »luft- und wasserdicht verschlossen, undurchdringlich« im Sinne von »okkulter, verschlossener, schwer zugänglicher Lehre«; eine Bewegung bzw. Richtung, die sich mit der Offenbarungs- und Geheimlehre des sagenumwobenen Hermes Trismegistos befasst, und die in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende aufkam. Erstmals bezeugt und erwähnt wird die Hermetik von Manetho  (3. Jh. v.d.Z.), Clemens von Alexandria (150-215), Laktanz (250-325), Iamblichos von Chalkis (250-330) und Augustinus von Hippo (354-430). Das Wort »Hermetik« leitet sich wiederum auch ab vom griechischen Gott Hermes, der bei den Römern (lat.) Mercurius (= Merkur) hieß.

Zur Person Hermes

Hermes ist der Sohn des Göttervaters Zeus und der Nymphe Maia; sein Name wiederum leitet sich ab von den sog. Hermen (singular: Herma); das sind Steinhaufen an Wegrändern und Viehweiden, die dem Schutz der Tierherden dienten. Hermes bedeutet deshalb wörtlich »der vom Steinhaufen« und ist ein Gott der Hirten. – Unmittelbar nach seiner Geburt beweist er sich als Erfinder, Meisterdieb und geschickter Händler: so erfindet er die Leier, stiehlt daraufhin seinem Halbbruder – dem Schützen Apollon – eine Rinderherde und handelt ihm diese anschließend  – dieses mal auf legalem Wege – gegen die soeben von ihm erfundene Leier wieder ab, die er aus dem Panzer einer Schildkröte herstellte.

Hermes ist ein Heilkundiger, der Hüter des Schlafes und der Träume; er ist auch der Seelenführer, der die Seelen in die Unterwelt begleitet. Er ist ferner ein Wind-, Luft- und Wettergott, der geflügelte Götterbote, der in drei Welten lebt: dem Himmel, der Erde und der Unterwelt. Er gilt als Erfinder der Schrift und der Wissenschaft sowie der Kunst der Deutung, der Auslegung und Erklärung. Deshalb hat sich sein Name bis heute in der philosophischen Disziplin der Hermeneutik erhalten.

Hermes wurde mit vielen Göttern anderer Kulturen gleichgesetzt. So wurde bspw. bereits zu Platons Zeiten der ägyptische Gott Thot als Hermes bezeichnet. Thot wiederum ist häufig identisch mit Re (Ra), dem ägyptischen Sonnengott, dieser wiederum mit Mithras.

Zur Person Hermes Trismegistos

Hermes nannte man auch »Hermes Trismegistos« = »Hermes, den dreimal Größten« oder »Dreifach herrlicher Hermes«, da Thot oftmals den Beinamen »der Große« erhielt und seine Anrufung verdreifacht wurde. Der Gott Thot wiederum, also Hermes Trismegistos, galt den spätantiken und mittelalterlichen Alchemisten als der Begründer der Alchemie und als Verfasser der sog. hermetischen Schriften, genannt Corpus Hermeticum (siehe Hermetische Schriften).

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