Was ist Magie?

Das deutsche Wort Magie leitet sich aus dem Iranischen, d.i. dem Altpersischen ab, wo es Magus, d.h. »Wissender« oder »Erkennender« bedeutet. Die sog. Magi oder  Magoi waren ein medischer Stamm (um das Jahr 1.ooo v.d.Z.), der die damalige Priesterkaste bildete.

Magie – für viele Menschen seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar seit Jahrtausenden, ein geheimnisumwittertes Wort. Wie viele Köpfe haben sich bereits mit dieser wohl schwierigsten, vielseitigsten und faszinierendsten aller Geheimwissenschaften befasst – Befürworter wie auch Spötter und Gegner – Adepten (Eingeweihte) wie auch Unwissende. Magier galten und gelten vor allem in unserem Kulturkreis als eigenartige und eigenwillige Sonderlinge, die sich keiner fremden weltlichen und kosmischen Macht zu beugen wünschen; – Menschen, die in den Augen Anderer den »Frevel« wagen, sich nicht mit dem abspeisen zu lassen, was ihnen Religion und Gesellschaft, Priester und weltliche Herrscher als Wirklichkeit und »gesunde Grenzen der Vernunft, der Moral und des Anstands« vorsetzen; Menschen, die auch keinen Göttern und Göttinnen dienen, außer ihren eigenen, ob diese nun Hermes heißen mögen, Hekate oder Lilith, Baphomet oder Bael, Idealismus oder Materialismus, Rationalismus oder Irrationalismus, Ich oder Selbst.

Schon immer war der Magier ein faustischer Psychonaut und Seelenfahrer, ein Mensch also, welcher hinter den »Schleier« zu spähen suchte; ein Mensch, der nicht eher ruhte, bis er ergründet oder zumindest erahnt hatte, was die Welt im Innersten zusammenhält. Zoroaster galt als Magier, aber ebenso Moses, Salomo, Jesus und Milarepa; Raimundus Lullus gehörte zu dieser Schar Andersdenkender und – vor allem – auch Andershandelnder, Jaques de Molay, Agrippa von Nettesheym, Theophrastus Bombastus Paracelsus, Doktor Faustus, Athanasius Kircher, der Comte de Saint Germain … – die Liste ließe sich beliebig verlängern, umfangreich mit realen historischen Gestalten, schier unbegrenzt mit mythischen. Aber sie endet, trotz aller Verfolgung durch Kirche und Staat, auch in der Neuzeit nicht, auch nicht im Zeitalter der sogenannten »Aufklärung des Rationalismus«.

Zeugen unserer Zunft waren und sind Robert Fludd, Dr. John Dee, Frances Barrett, Alan Bennett, Eliphas Levi, Papus (Dr. med. Gérard Encausse), Stanislas de Guaïta, Sâr Merodack Joséphin Péladan, Samuel Liddell McGregor Mathers, Arthur Waite, Karl Kellner, Theodor Reuss, Aleister Crowley, Austin Osman Spare, Ludwig Staudenmaier, Franz Sättler alias Dr. Musallam, Rah-Omir Quintscher, Frantisek Bardon, Herbert Fritsche, Eugen Grosche alias Gregor A. Gregorius, Karl Spiesberger u.a.m. Die noch Lebenden (und es werden ihrer immer mehr) will ich von dieser hier ohnehin unvollständigen Liste aus Gründen der Bescheidenheit und der mangelnden historischen Distanz ausnehmen. Sie sehen: Wenn Sie sich für den Weg der Magie entscheiden, befinden Sie sich in einer recht illustren Gesellschaft; zu dieser zählen, wie in jeder großen »Familie«, herausragende Könner und regelrechte Genies ebenso, wie simplere Gemüter bis hin zu regelrechten Stümpern; und, nicht zu vergessen, natürlich auch Scharlatanen.

Jene, die sich den magischen Künsten hingezogen fühlen, sind allemal Individualisten und lassen sich nur ungern in Kategorien pressen oder mit bequemen Etiketten wie »SchwarzmagierIn«, »WeißmagierIn«, »HexeR«, »ZaubererIn«, »WahrsagerIn« und dergleichen mehr bekleben, durch welche Begriffe nichts wirklich verstanden, aber dafür vieles um so mehr wieder einmal erneut kategorisiert und verfälscht wird. Die scheinbaren Widersprüche in den Schriften magischer Autoren erklären sich sowohl aus dieser Tatsache, wie auch aus der Subjektivität der Magie, die einem immer wieder begegnen wird. Die Beschäftigung mit älteren Autoren birgt viele Vor- und manche Nachteile. Immerhin erspart sie es einem, wenn sie vernünftig und mit dem geschärften Auge des Geschichtsbewussten geschieht, das Rad nicht immer wieder aufs Neue erfinden zu müssen; zudem wird man dadurch der reichen Erfahrungen und des Wissensschatzes unserer Vorgänger teilhaftig.

Um deren Werke richtig beurteilen zu können, bedarf es freilich auch der Kenntnis um die geschichtlichen Zusammenhänge – beispielsweise die Funktion und Rolle christlicher Floskeln in mittelalterlichen Zauberbüchern (den sog. Grimoires [gespr.: Grimmoahs] oder, eingedeutscht: Grimoarien) werden Sie beispielsweise nur dann verstehen, wenn Sie auch um das geistesgeschichtliche Umfeld der damaligen Magier und der Zauberei wissen, wie beispielsweise um die Vormachtstellung der Kirche und den damit verbundenen Gefahren der Hexenverfolgung usw. Doch es muss dies auch ein kritischer Respekt sein: Nicht alles, was alt ist, ist deshalb gleich gut und auch in unseren Tagen geeignet. Vieles hat sich in die Tradition der Magie eingeschlichen, auf das heute bequem verzichtet werden kann, ja sogar sollte, wenn man bei der praktischen Beschäftigung mit ihr auch tatsächlich weiterkommen möchte.

Magie ist kosmisches Gesetz. Die unterschiedlichen Bereiche der Magie richten sich nach deren Anwendungsgebieten: Von den primitiven Arten der Volksmagie, bis hin zur höchsten Anwendung kosmischer Magie, existieren eine Vielzahl von Abstufungen. Mit steigender Entwicklung der magischen Erkenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten wird der Novize respektive die Novizin (Schüler/Schülerin) folgerichtig die diversen Fachgebiete der Magie – theoretisch wie auch praktisch – absolvieren und erarbeiten.

Eine individuelle Eignung auf speziellen Gebieten der Magie ergibt sich in der Regel erst dann, wenn ein solides Grundwissen, wie auch entsprechende Basisfertigkeiten, in den vielen Bereichen westlicher Magie erarbeitet wurden. Auch die Magie erfordert, wie jede andere Fähigkeit, langsame, stete und folgerichtige Entwicklung. Abweichungen von dieser Praxis können durchaus auch ein pathologisches Fehlverhalten von Körper, Geist und Seele nach sich ziehen.

 

Die Magie basiert auf Wirkprinzipien akausaler Zusammenhänge. Anders ausgedrückt: die durch sie verursachte bzw. hervorgerufene Energie oder Kraft kulminiert in einer zeitlichen Koinzidenz zweier oder mehrerer, nicht kausal aufeinander beziehbarer Ereignisse des gleichen oder zumindest ähnlichen Sinngehaltes. Da sie – die vermeintlich magischen Wirkungen – einen klassischen Kausalnexus vermissen lassen, werden sie heutzutage – im 21. Jh. – vor allem von den Vertretern der Naturwisssenschaften – belächelt resp. nicht ernst genommen und in den Bereich des Zufalls oder der Stochastik (Wahrscheinlichkeitsrechnung) verfrachtet. Magische Wirkungen gleichen dabei auffälligerweise dem Begriff der sog. »Synchronizität« C. G. Jungs, der sie als quasi vierte Instanz der Raum-Zeit-Kausalität anschließt und dadurch zu einer  nicht verifizierbaren, empirischen Begrifflichkeit erhebt. Denn sie – die Magie – ist Kunst (Intuition) und Wissenschaft (Ratio) zugleich, die mit Hilfe veränderter Bewusstseinszustände (Gnosis), im Einklang mit dem menschlichen Willen, Veränderungen in der physischen, astralen und mentalen Ebene (Welt) herbeiführt. Diese Umsetzung wiederum fußt auf diversen, auf Entsprechungen und Sympathien (Korrespondenzen) gegründeten Paradigmen (Weltbildern).

Von einer sogenannten »prälogischen« Einstellung eines Magiers zu sprechen, da ein rational erfassbarer Kausalzusammenhang zwischen der magischen Operation und dem zu beeinflussenden Objekt oftmals nicht gegeben sei, wäre indes ebenfalls unberechtigt, da in den unterschiedlichsten Epochen von unterschiedlichen Personen auch gänzlich logische und rationale Handlungen getätigt wurden. Hingegen ist der Begriff eines sog. »paralogischen« Weltbildes des magisch Operierenden, d. i. neben der »normalen Allgemeinlogik« existierend, nicht ganz von der Hand zu weisen. Magie ist ebenso als Inbegriff menschlicher Handlungen, die auf gleichnishafte Weise ein gewünschtes Ziel zu erreichen suchen, zu verstehen. Die dahinter stehende Denkform ist im besonderen Sinne ein rationalisiertes und konventionalisiertes System von mehr oder weniger zwingenden Handlungen, bei denen rein naturwissenschaftlich nicht fassbare, vom Handelnden jedoch als »übernatürlich« definierte Kräfte beansprucht werden, die wiederum mit Hilfe der bereits erwähnten verändernden Bewusstseinszustände realisiert werden.

Auf ähnliche Weise kann Magie auch als eine Art von Geistestätigkeit bezeichnet werden, die teils in einer über das »Sinnliche« hinaus reichende Kraft oder Spannung der Seele, teils in traditionellen Gebräuchen wurzelnd, auf eine als seelenartig verstandene Gegenstandswelt, oder aber auf andere Menschen in einer unmittelbaren, nicht kausalmechanisch verstandenen und vermittelten Form, zu wirken vermag.

Das Wort Magie lässt sich etymologisch, im engsten Sinne im Anschluss an Herodot (geb. ~480 v.d.Z.), auf die Bezeichnung der persischen bzw. medischen Priester, dem Volksstamm der Mager, zurückführen. Jene Mager hatten mittels ihrer Traumdeutung astrologische Kenntnisse und Wissen auf verwandten Gebieten Berühmtheit erlangt. Dieses altpersische magug (griech. magos), ist nach Ansicht mancher Etymologen urverwandt mit dem Wort »vermögen« und wird von dem indogermanischen Verbalstamm mãgh (megh = können, vermögen; daher auch unser Wort »Macht«) abgeleitet.

Was nun wiederum Religion und Magie miteinander verbindet, ist zunächst die theoretische und praktische Anerkennung eines transzendenten Bereiches und die innige Beschäftigung mit ihm. Dennoch wird in der vergleichenden Religionswissenschaft zwischen Magie und Religion – zu Recht – sehr streng unterschieden: Während sich der Mensch bei einem religiösen Verhalten höheren Mächten gegenüber abhängig fühlt und deshalb danach trachtet, sich zu diesen in ein richtiges Verhältnis zu setzen, steht der magische Mensch – homo divinans – der übernatürlichen Welt freier und somit auch egozentrischer gegenüber – er handelt, er greift zur »Macht«. In jenen, wie selbstverständlich in allen menschlichen Handlungen, schlummern wiederum die gleichen vielschichtigen Gefahren ethisch-moralischer Verfehlungen, wie in den Religionen auch, was jedoch von nahezu allen Religionen verneint oder sogar das Gegenteil behauptet wird: Magie ist bzw. sei des »Teufels«.

Magie ist aber vielmehr – in ihrem eigentlichen Wesen – die einfache und unverhüllte Objektivierung des willentlichen Wunsches in der menschlichen Vorstellung. Diese gelingt dem Magier dadurch, dass er sich die Macht, die sich in seiner Umwelt manifestiert, nutzbar macht und zu eigenen oder zu Zwecken anderer verwendet. Zugrunde liegt ihr – der Magie – das Wissen um die Funktionalität von Kräften, die der Mensch entweder zu seiner eigenen Entwicklung, zum eigenen Nutzen, oder auch zum Schaden anderer auszuwerten und anzuwenden sucht. Magie steht somit eindeutig im Gegensatz zur Religion: Beruht diese auf reiner Zwangsläufigkeit unpersönlicher Kräfte, die der Mensch in Bewegung setzt, so ist jene ein höherer persönlicher/er Wille, an den der/die Handelnde sich wendet, inhärente Grundbedingung.

Der regelrechte Automatismus des Funktionierens magischer Operationen, die in diesem Sinne keines Charisma bedürfen, wird u.a. von HARLESS (1858) in seinem Referat über den Jamblichos-Text »DE MYSTERIIS« betont: »Das Eigentümliche der magischen Zeichen, Symbole und Worte ist, dass sie aus sich selbst die ihnen zukommende Wirksamkeit ausüben, dass die unaussprechliche Kraft der Götter, auf die sich all dies bezieht, aus sich selbst diese ihre Abbilder erkennen und demnach tätig werden lassen, ohne dass vorgängig durch Gedanken die göttlichen Grundursachen zu ihrer Tätigkeit bestimmt und angeregt würden.« Aus diesem Grunde spielt vor allem in der rituellen Magie das genaue Einhalten von Ritualvorschriften eine so große Rolle.

Gegen eine Trennung Magie|Religion wiederum wendet sich K.A. Nowotny in seinem Werk »AGRIPPA VON NETTESHEIM« (Graz 1967): Diese Unterscheidung sei eine »europäische Interpretation, und durch nichts gerechtfertigt. Der Europäer vermutet im Opfer (d.i. im religiösen Akt) zunächst einen Akt der Devotion. In Wirklichkeit entspringt es einer Fülle von Intentionen: d.i. der Sicherung des Naturgeschehens, der Reinigung, der Sühne und Versöhnung, der Bitte, dem Tribut und Vertrag, dem Zwang, der Abwehr und Vernichtung, der Erlangung göttlicher Kräfte, von Unsterblichkeitstränken und -speisen ganz zu schweigen.«

Die Einstellung des Magiers zur – ich nenne es einmal pauschal »Übernatur« – ist dennoch aktiver, »autonomer« als in der Religion üblich. Die innere Haltung, die in Worten wie »Dein Wille geschehe« und »Nicht wie ich will, sondern wie Du willst« gipfelt und die freiwillige Bejahung eines göttlichen Heilsplanes (Demutsaspekt) als Axiom impliziert, ist dem Magier, der die Überwelt in seinen Dienst zu stellen sucht, zunächst fremd; damit auch die Anerkennung göttlicher Gnadenakte als Voraussetzung für im engeren Sinne sakrale Manifestationen. Daraus wiederum folgt zwangsläufig: Zur Zauberkraft beten kann der Magier nicht: Aus einer magischen Formel kann nie ein religiöses Gebet entstehen, obwohl viele der vermeintlichen Magier/innen dergleichen tun. Es führt kein gerader Weg from spell to prayer. Das Empfinden des Betenden ist ein völlig anderes als das eines Magiers. Ausnahmen bilden hierbei sog. »mystizistische« Akte der Volksmasse (Pseudo-Religiosität), die auf Aberglauben basieren (Tradition, Überlieferung, Pragmatischer Synkretismus).

Andere hingegen verurteilen die Magie mit Worten wie: »Der steigende Hochmut getraut sich, auch die über ihm – dem Magier – in Verborgenheit waltenden Mächte an die Schranken seines Zauberkreises zu entbieten, und aus seiner Mitte hervor sich ihrer zu seinen Zwecken zu gebrauchen. Dazu wendet er die eitlen Künste an, die er sich eingelernt, und in ihrer Übung bildet sich im Geisterbanne die Theurgie, die weiße Kunst, die nun, wieder Hochmut überall zum Fall ausschlägt, zur schwarzen hinüberführt, weil sie diese innerlich schon selber ist und dann zur dämonischen Magie sich vollendet.« (GÖRRES: »CHRISTLICHER MYSTIK III«).

In arabischen Ländern bezeichnet man die Magie als sihr. Sie erfährt dort bis heute eine strikte Zweiteilung: TARIQA AL MAHAMUDA (weiße Magie) und TARIQA AL MADNUNA (schwarze Magie). Die SURE II (102-106) des Korans erlaubt zum Beispiel die Dienstbarmachung von Geistern und Dämonen durch magische Beschwörungen. Dies führt somit auch zu der verbotenen Interpretation und Benutzung des Korans für ausschließlich selbstsüchtige magische und okkulte Praktiken, also ähnlich der Bibel (siehe Synoptiker).

Die scharfe Abgrenzung gegenüber Wissenschaft und Religion, die die europäische Forschung vorgenommen hat, erscheint indes willkürlich. Diese Modalität spricht z.B. bedeutende Leistungen vergangener Kulturen jedwede Wissenschaftlichkeit ab. Auch im Bereich der Religion sind die Übergänge fließend. Lediglich in idealtypischer Betrachtung kann religiöse Praxis als eine völlig gelebte Abhängigkeit von der Gottheit und der [im Gegensatz dazu] magischen Praxis, als demonstrierte Obermacht, interpretiert werden.

Der oftmals behauptete Übergang von der Theurgie zur GOETIE wurde von älteren Autoren immer wieder heftig bestritten, etwa von dem berühmten Alchemisten ALEXANDER VON SUCHTEN (16. Jh.), der in seinem »DE TRIBUS FACULTATIBUS« schreibt: »Magia ist keine Zauberey, sondern die allergröste Weißheit Gottlicher Werck und eine Erkennerin verborgener Natur«.

JULIUS SPERBER (17. Jh.) unterscheidet eine göttliche Magie – MAGIA DIVINA (Magia coelestis) – »das ist die himmlische oder göttliche Weisheit«, eine menschliche Magie, »welche mit Ceremonien und allerhand Mißbräuchen dermassen vermischet, und dadurch verdunckelt worden, daß sie billich den vorigen Namen verlohren«, und eine ABERGLÄUBISCHE oder TEUFLISCHE MAGIE (W.E. PEUCKERT: PANSOPHIE, 1956).

Meist für legitim betrachtet wurde die MAGIA NATURALIS, der die MAGIA INNATURALIS, MAGIA DIABOLICA, MAGIA PROHIBITA oder MAGIA ILLICITA gegenübergestellt wurde. Diese wird im üblichen Sprachgebrauch oft mit dem Begriff der Zauberei (Nutzbarmachung der Überwelt in weitgehend egoistischer, die Mitmenschen schädigender Absicht) bezeichnet. Daher ist mit dem Begriff der Zauberei in der Regel auch ein abwertendes ethisches Urteil verbunden, während der Begriff Magie in diesem Sinne in der Regel wertungsfrei zu gebrauchen ist. In diesem Zusammenhang ist auch erwähnenswert, dass viele namhafte, bekennende Magier vergangener Tage sich nicht als sog. »Zauberer« bezeichneten und sich nicht als solche sahen (vgl. Aussagen AGRIPPA V. NETTESHEIMS hinsichtlich des DR. J. FAUST).

Seltener wird in der Literatur der Typus des Magiers mit einem des wissenschaftlichen Forschers verglichen. Beiden gemeinsam ist aber der Wunsch, die Umwelt zu beherrschen, zu »manipulieren« und sie in seinen Dienst treten zu lassen. Verschieden sind jedoch deren Methoden: Der Ritualmagier folgt beispielsweise einem im Anfang vielleicht intuitiv gefundenen Ritual, das er nicht zu verändern wünscht. Der Forscher indes beobachtet und variiert die äußeren Umstände seiner rational zielgerichteten Handlungen systematisch. Selbstverständlich gibt es auch hier Übergänge und Zwischenstufen, noch am ehesten in dem als MAGIA NATURALIS bezeichneten Bereich.

Unabhängig von jeglicher moralischen oder intellektuellen Wertung muss abschließend festgestellt werden, dass die Magie ein geistesgeschichtliches Faktum darstellt, das im Leben der GESAMTEN MENSCHHEIT eine große Rolle spielte und VOR ALLEM gerade heute spielt. Schon aus diesem Grunde sollte eine ernsthafte theoretische wie auch praktische Beschäftigung mit ihr – der Magie – nicht nur ihren Gegnern oder kritiklosen Phantasten vorbehalten bleiben.

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